Blick von der Glenealy! Place I call home.

Somewhere in Hong Kong

Hallo ihr Lieben,
meine ersten mal mehr mal weniger aufregenden Wochen sind nun verstrichen (drei Kreuze).
Die Bilanz des ganzen:
Hong Kong hat sich nicht verändert. Es ist evt. alles ein wenig hektischer, lauter, leuchtender und anonymer, aber im großen und ganzen ist es einfach Hong Kong!
Wer’s noch nicht gesehen hat, wird es lieben! Solange, bis der Alltag einen einholt und aus dem Hype eine Routine wird.
Ich hab viel Zeit alleine verbracht und habe einfach mal „den stillen Beobachter“ gespielt. Ich liebe, dass zwischen Luxuskaufhäusern die Gassen von kleinen Märkten gefüllt sind und jeder Tourist krampfhaft versucht sich mit Händen und Füßen zu verständigen, während sich Little Ms. Chow ins Fäustchen lacht, weil sie tatsächlich eine einzige Tomate für umgerechnet 12,6 Cent verkaufen konnte. Ich liebe die Taxifahrer, die im Modus „Vollgas-Vollbremse-Totfahren“ nahezu im Schlaf die Straßen unsicher machen und grundsätzlich motzen, hält man ihnen einen 100$ (circa 10€) Schein vor die Nase. Ich liebe die Engländer, die jeden Tag direkt nach der Arbeit brav ihre Stammkneipe aufsuchen und dudeldicke nach Hause torkeln. Ich liebe das wahnsinnige kulinarische Angebot, von Asian-Italian bis zum deutschen ehrlichen Schnitzel.
Doch zwischen tausenden Menschen, die täglich an einem vorbeirauschen fühlt man sich doch ganz schön einsam!
Morgens kriechen sie aus ihren Löchern und abends kriechen sie wieder hinein. Die Tage verstreichen meist ohne jegliche Bereicherung auf zwischenmenschlicher Ebene. Solzializing gibt es sicher, jedoch nur abends verbunden mit jeder Menge Alkohol und anderen „Mutmachern“. Mir fehlen die Plattformen um einfach ehrliche, nette Menschen kennenzulernen, mit denen ich auch gerne mehr als drei Worte wechsle.
Zugegeben, ich als „Guailo“ (So nennen sie hier alle Europäer, Amerikaner etc.! Übersetzt: Lang Nase) richte meine Suche weniger nach einheimischen Bekannten, sondern auch nach Weltenbummlern aus. Aber die sind meist zu verkrampft in ihrem Streben nach dem großen Geld und der wahnsinns Karriere, die sie sich von Hong Kong erhoffen.
Ich schlussfolgere daher: Hong Kong ist super, wenn es in den eigenen jeweiligen Lebensabschnitt passt und dich vor allem auf beruflicher Ebene bereichern soll. Wer mitgerechnet hat: ich bin mit meinen zarten 18 Jahren eine Rarität, gehöre einer absoluten Minderheit an! Ich kann’s verkraften! Bin’s gewohnt! Aber auf lange Sicht, wäre mir das zu einsam. Mit 26, also nach dem Studium, hätte ich hier sicherlich DIE Zeit meines Lebens!
Vermutlich betrübt mich das ganze hier auch daher, dass an jeder 2. Straßenecke irgendeine ferne Erinnerung haftet! Da hab ich jede Woche mindestens einmal mit Papa gegessen, da hat Mama am liebsten ihren Kaffee getrunken, sie hat sogar einmal den Vanillestreuer geklaut…da hat Gilly immer ihre komischen Fischschnacks gekauft und da hab ich immer geheult, wenn ich nicht das x-te hässliche Glastierchen bekommen habe .Damals alles so selbstverständlich! Heute alles so weit weg! Naja, Life goes on! Das ist auch gut so! Aber ich muss es erstmal verarbeiten!
Tendenziell geht’s hier für mich bergauf! Hab ein paar nette Leute gefunden, mit denen es Abends immer Spaß macht! Habe ein paar Freunde von Mama und Papa getroffen, die nahezu Fassungslos über die Ähnlichkeit von Mama und mir sind…wurde sogar im wunderbaren Dragon-i als „Linda, Linda Seidensticker?!“ enttarnt…von einem langen langen Freund meiner Mama und vor allem meine Tante Giulia! Aber daran erkennt man wieder, wie wenig sich das ganze eigentlich entwickelt haben. Die Menschen leben im selben Trott, in dem sie vor über 10 Jahren lebten. Same faces…Same shit ,different names! So wird aus dem Alibi das Goccia und das Va Bene wandert zwei Lokale weiter hoch. That’s about it. Nachtclub Mogul Gilbert baggert fleißig an der kleinsten Röntgen rum, wie er es schon mit Mama und Julia tat. Traurig. Alle versuchen die Zeit krampfhaft zum stehen zu bringen. Die, die es nicht so gut verkraften (nenne hier keine Namen 😉 ) fahren einfach eine Runde Ski. Denn Skifahren kann man in Hong Kong ganz wunderbar. Und zwar jeden Abend lang! Solange man in Hong Kong seinen Spaß haben darf, ist eigentlich alles super! Eine Art „All-time-high“, eine totale Reizüberflutung! Doch gewinnt man ein wenig Abstand, betrachtet man es von Außen, dann erkennt man leider „Es ist nicht alles Gold, was glänzt!“
Ich will die „Erwachsenen“ nicht verurteilen, ich stehe in meinem Leben noch nicht dort, wo sie stehen, aber wenn mir meine Eltern und der Rest meiner wunderbaren Familienbaggage eines auf den Weg gegeben haben dann ist es; BE TRUE TO YOURSELF! Selbst die dickste, gebotoxte und verschneiteste Fassade bricht irgendwann! Und wer sich immerzu versteckt, der wird auch nicht gesehen. Die Uhr tickt, der oder die RICHTIGE mag genau vor dir gestanden haben, aber es bringt nichts, wenn man dich nicht sehen kann. (Das als Rat einer Kindsfrau, die sich seeeehr genau damit auskennt 😉 )
Meine Mission: Das Disneyland, auch bekannt als Hong Kong, einfach zu genießen! You only live once! Aber ich sage euch eines: Ich freue mich SO SEHR auf ein „back to reality“ !
Ich vermisse euch! Meine Familie! Meine Stütze, auf die ich niemals verzichten könnte! Ihr seid etliche Kilometer weit weg, aber ihr seid so nah!
Bis bald!
Eure Linni
Blick von der Glenealy! Place I call home.

Linda

In Bielefeld geboren, in Hong Kong aufgewachsen und nun in Düsseldorf und Zürich zu Hause. Ich singe für mein Leben gerne, schreibe, weil es der Seele gut tut und möchte vom Leben vor allem eines: Glücklich sein.

A wise person once said to me:

"Never let it be said that to dream is a waste of one's time. For dreams are our realities in waiting. In dreams, we plant the seeds of the future."

Keep on dreaming until dreams come true!

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