Starferry Idylle

Hi Ho, Hi Ho! It’s off to work we go…

Hallo ihr Lieben!

Heute ist Montag, also Bürotag! Fing schonmal gut an indem der Seidensticker Hauptserver zusammengebrochen ist und wir „leider leider“ absolut nicht arbeiten konnten. Ich habe beschlossen, dass es ein Zeichen des Drachengeistes von Chinese New Year ist, der findet, dass wir auf jeden Fall früher Urlaub bekommen sollten! – aber ich bin ja hier nur Praktikantin!

Aber…NEIN! – Ich koche keinen Kaffee, sogar ich werde hier bekocht 😉

Ich finde es einfach irre, in welchem Tempo sich hier alles bewegt! Morgens um Punkt 9 sitzen hier im Büro etwa 40 schwarze Haarschöpfe, ein paar Blondies dazwischen, eine Brünette mit wunderbaren blauen Augen *hust*, und sie starren alle gebannt auf Ihren Bildschirm, in den Startlöchern um wirklich um 9:00:00 sämtlichen Fabriken in China, Vietnam usw. die Hölle heiss zu machen! „We need Proto Sample today – LAAAAAAA!“ – „No can do tomorrow – LAAAAAAA!“Sie lieben einfach ihr LAAAA am Ende eines jeden Satzes! Die Italiener gestikulieren mit den Händen, die Schweizer verschlucken sich halb an ihrer Halskrankheit, die Deutschen…sind deutsch und die Chinesen verleihen ihren Aussagen eben auf diese Weise eine erhebliche Menge an Ausdruck.

Das System läuft einfach Rund. Meint man. Denn das größte Problem ist wohl doch auf diverse Sprachbarrieren zurückzuführen. Schreiben können auf Englisch eigentlich alle ganz wunderbar. Kommt es aber zum verbalen Teil der Geschichte…joa, Rätselraten!

Aber nett sind sie. Um Punkt 1 ist der Laden wie leergefegt und die Schwarzschöpfigen tattern fleißig in diversen Lokalen rund ums Büro weiter. Ich will gar nicht wissen, was genau alles besprochen wird. Ich glaube sie unterhalten sich sogar rülpsend in einer Geschwindigkeit, da wird mir schlecht! Und JA! Diverses Grunzen und Schniefen gehört auch zum Büroalltag. In den ersten Tagen haben sie sich zusammengerissen, sie denken wohl, ich sei das ganze nun gewöhnt! FYI: ich habs in 9 Jahren nicht geschafft, da gewöhne ich mich jetzt auch nicht mehr dran!

Aber, da ich mich schon nicht durch das Erlernen ihrer Sprache integriere, so tue ich es zumindest dadurch, dass ich ihre Sitten akzeptiere. Pikierte Blick lasse ich mir allerdings nicht verbieten! In den Situationen schalte ich auch auf Autopilot um…kann da nichts gegen machen! Will ich auch gar nicht!

Also wie gesagt: Fleißig sind sie bis zum dorthinaus! Hier in Hong Kong kommt auch echt etwas gutes dabei rum! Die sind gedrillt worden! Etwas europäisiert vielleicht 😉 Have fun in Mainland China! Da läuft mal gar nichts rund. Im Endeffekt liegt es Verkaufsfertig auf dem Tisch, aber der Weg dahin…ne, der ist weißgott nicht das Ziel!

Mich persönlich stört ein wenig, dass das Arbeitsambiente völlig links liegen gelassen wird. Klar, zu CNY haben wir die traditionellen Mandarinenbäumchen an der Rezeption stehen, aber die erfüllen eher den Zweck, dass sie das sehr abergläubige Gewissen beruhigen, als dass sie sich dekorativ präsentieren.

Der Flur sieht aus, wie aus Steven Kings neuem Büro-Zombie Film:

Ich weiss, die Bearbeitung ist gemein! Aber Hipstamatic hat sich das selbst ausgesucht! (An alle, die sich fragen WOMIT meiner Bilder bearbeitet sind: Hipstamatic via iPhone. Easy Peasy! Nur auf den Auslöser klicken und wunderbar staunen :) ) So, jetzt haben wir den Werbeaspekt auch endlich angeschnitten!

Wenn du heute Geburtstag haben solltest, dann sei diese Seite ganz offiziell dir gewidmet! HAPPY BIRTHDAY! – den Teil hab ich nun auch erledigt.

Ich schweife vom Thema ab! Keine Ahnung, ob es sie hier stört oder nicht, aber ich vermisse ein kleines Bisschen die Wärme in den Bueros (nicht nur optisch, die Klimaanlagen kühlen den Laden brav auf 15°C runter).

Seit Gründungszeiten wurde eigentlich nichts verändert. Doch, sämtliches Holz wurde durch Plastik in gleicher Optik ersetzt, damit es möglichst noch länger alles so bleiben kann, wie es ist.

Chinesen sind Pragmatiker. Es steht, es hält, es ist billig. JA! Es reicht.

Ich will ja gar nicht larmoyant (ja, ich habe ein neues Wort gelernt) klingen, es liegt evt. daran, dass ich in der Officewelt ein absoluter Frischling bin und meine Illusionen des wunderbar glänzenden Büros mit den tausend niedlichen Photos am eigenen Schreibtisch noch nicht zersprengt wurden. Ich klammere auch daran fest. Fehlt nur noch der Chef zum verlieben. Aber das wäre Inzest.

Der gesamte Bürokomplex dient gleichzeitig als einer der größten, wenn nicht sogar DIE größte, Luxusshoppingmalls in Hong Kong! Ocean Centre aka. Harbour City. Und ja – es ist einer Stadt. Gefühlte 2000 Restaurants, Prada stores in dreifacher Ausführung, Indoor Kinderspielplatz, nobel Dinersclub, Anlegestelle für Kreuzschiffe…Toiletten…you name it – they’ve got it!

Gemein, wenn man dabei an die Kredikarte denkt. But I am starting to get used to it.

Nochmal zum Thema „Der Weg ist das Ziel“ – jeden Morgen mit der Starferry circa 10 Minuten übers Meer zu tuckern ist wirklich ein wahnsinns Gefühl! Zur Zeit bitterkalt, aber dafür sehr vitalisierend!Ich habe mir angewöhnt immer einen frischen Minztee mit Honig in einem pinken Plastik Starbucks Thermosbecher in den Händen zu halten, der mich von innen ganz wunderbar und lecker aufwärmt. „Frau von Welt“ weiß sich zu helfen!

Also das ist tatsächlich unbezahlbar! Von meiner Wohnung aus bin ich nach 13 Minuten Fussweg an der Anlegestelle, nach circa 8 Minuten Uberfahrt dann unmittelbar an der Harbour City. You do the maths.

Wem die Fähre zu kalt oder too oldschool ist, der nimmt die MTR! Geht noch schneller, stinkt aber und ist proppevoll. Wie gesagt, Chinesen = Pragmatiker = MTR ist schneller = wird der Idylle bevorzugt. ABER – jetzt kommts – die Starferry ist mit umgerechnet circa 18ct pro Fahrt sogar billiger als die MTR.

Schon schön…ich habe die riesige Baustelle, durch die mal wieder ein XXL Gebäude aus der Erde schießt ganz bewusst nicht in den Bildumfang eingefügt. Das würde das Auge stören.

Die Bilanz eines Montages im Büro:

Gelernt: Ja, schon, ein wenig über Stoffe und Pruduktionsprozesse.

Bereicherung: Auf jeglicher Ebene gering.

Neue Freunde: Haha, ja, evt das neue Bloglayout (hier wird sich im laufe der Zeit eh immer wieder etwas verändern)

Bleibt also als Fazit: Anonymität wird im Officeleben, wie auch in jedem anderen Bereich des Lebens eines Hong Kongers, ganz GROß geschrieben. Schade…too much to do, too little time…die Grunzenden dürfen sich ja sogar fern halten, ich bin nicht sauer 😉

Aber man fühlt sich so…ersetzbar…Ein schwarzer Schopf löst den nächsten ab, aus Mr.Chow wird Mr. Ling, aus Apple wird Rainbow (Ja, die nennen sich wirklich so!) und niemand bemerkt es. Ich also Guailo zumindest nicht! Ich erinnere: Guailo = bezeichnung fuer die Langnasen = Cliquee Wort, das jegliches „westliche“ Lebewesen beschreibt. Unten im Artikel werdet ihr auf den Genuss einer ausführlicheren Beschreibung kommen.

Ich werde jetzt noch ein wenig so tun, als hätte ich tierisch viel zu tun!

Melde mich später :)

Lots of love and thousands of kisses!!

Linni

The Guailo:
A Cantonese (Chinese) word for a person or persons of Caucasian descent. In the past, it was meant as a demeaning racial slang towards people of white decent. However; over time it has lost its meaning and is no longer meant as a degrading word. It is now used freely and carries no derogatory meanings.The literal meaning of „guailo“ means „demon guy“, „ghost guy“.

The more politically correct term is bakyen which means white people/person. However, this term is not as prevalent as guailo. Another common version of this term is bakguai

which means „white demon“; which too no longer carries a derogatory meaning.

Linda

In Bielefeld geboren, in Hong Kong aufgewachsen und nun in Düsseldorf und Zürich zu Hause. Ich singe für mein Leben gerne, schreibe, weil es der Seele gut tut und möchte vom Leben vor allem eines: Glücklich sein.

A wise person once said to me:

"Never let it be said that to dream is a waste of one's time. For dreams are our realities in waiting. In dreams, we plant the seeds of the future."

Keep on dreaming until dreams come true!

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