Philippino DVD

Subkultur

Hallo ihr Lieben,

es ist einfach der Wahnsinn! Inmitten von Banken, Hochhäusern, Chanel, Louis Vuitton und Co, da sitzen sie. Nein, da hausen sie. Die Philippinas.

Unter einer strengen hierarchischen Ordnung reihen sie Pappkarton and Pappkarton an Pappkarton und verbringen so ihren Sonntag Nachmittag.

Sonntag, weil dann die CEO-Daddys und Shopping-Moms zuhause sind und ihren Kindern ein paar Stunden Familienzeit widmen. Die „Ammahs“ (oder auch „Maids“ oder -mein Favourit – „Helpers“) haben frei und geniessen das auch lautstark.

Besonders beliebte Treffpunkte sind die untere ueberdachte Ebene des riesigen HSBC Verwaltungsgebaeudes und die ebenfalls Ueberdachte Terrasse des IFC buildings – vor allem beliebt durch die Naehe zum philippinischen Kaufhaus World Wide.

In aller Oeffentlichkeit wird hier jeder Bereich der Koerperhygiene abgedeckt. Es wird an trockenen Fersen geraspelt, es werden Haare gezupft und Poren geleert, es werden Haare geschnitten und Naegel lackiert. Im Pappkartonsalon ist jedoch ausschliesslich den Philippinas Einlass gewaehrt.

Ein Papphaus weiter wird eine LAN-Party gefeiert – Karaoke inclusive – und Bilder der Kinder und Ehemaennern auf den Phlippinen werden ausgetauscht. Schon traurig, dass die meisten Damen ihre geliebten nur 2 mal im Jahr LIVE zu Gesicht bekommen. Dennoch, der Kontakt reisst nicht ab, moderne Kommunikationsmethoden machen es moeglich.

Waehrend die „Normalos“ lediglich auf Plastiktueten sitzen, duerfen die VIP Philippinas ihren Pappthron besteigen und das Geschehen ueberwachen.  Besonders fasziniert mich dabei die Lautstaerke, in der sie sich alle unterhalten. Und die Geschwindigkeit. Am besten kann ich es mit dem Schnattern einer Entenschaar beschreiben. Ein ziemlich treffender Vergleich. Auch bezuegliches des Inhaltes – ich verstehe vermutlich die deutschen Enten besser.

Zum Thema Kommunikation: die Telephonecard Mafia haust in Pappkarton Nr 56…oder war es 92? Ich bin da noch nicht so wohl informiert. „ABC Call Sim“ oder „Sunshine Talk“ scheinen wohl die besten Konditionen anzubieten, denn die kleinen Damen in den lustigen Werbejaeckchen sind immer mir Herrscharen von weiteren kleinen Damen umzingelt.

Damen ist auch das richtige Stichwort, denn auf 10.000 Frauen sind vielleicht 10 Maenner zu finden. Logisch, denn die Frauen arbeiten als Kindermaedchen, Maenner sind da nicht erwuenscht. Waehrend sie also fuer andere Kinder als Mutterersatz dienen, wachsen ihre Kinder ohne Mutter auf. Komische Welt. Schoene neue Welt? Nein – nicht immer. Es ist schwer, die richtige Verteilung von „Ammah“ Erziehung und „Eltern“Erziehung zu erreichen. Denn paedagogisch gebildet und qulifiziert, das sind sie wohl kaum. Sonst waeren sie nicht in dieser Position. Immer wieder beobachte ich sehr „eigenwillige“ Erziehungsmethoden, manche der „little helpers“ sollten lieber nicht auf Kinder losgelassen werden. Immer wieder beliebt: „Du kleiner Rotzloeffel, du bist es doch Schuld, dass sich deine Eltern scheiden lassen. Immerzu musst du nerven. Du hast ihre Ehe damit zerstoert.“ – Das sind genau die lindernden Worte, die das verwundete zarte Kindeherz braucht um die neue Situation zu verarbeiten. Ich weiss wovon ich spreche. Ich darf das also sagen. „You are the daughter of Osama Bin Laden, I told you to be a good girl and stop crying because your goldfish died!“. Es war aber ein so suesser Goldfisch. R.I.P.

Aber zurueck zur Mafia. Das oben genannte „World Wider Centre“ stellt die wohl groesste Plattform des Phlippina socializings dar. Phlippine Cuisine – sehr sehr eigenwillig – Philippino DVD, der Auswahl nach, muss Hollywood eine Lachnummer sein – Philippino Schneidereien – for little people – Philippino Post Offices…you name it – they’ve got it. Ich wurde dort als „Katze“ identifiziert, aufgrund meiner blauen Augen. Also Philippino Drogen scheint es dort auch zu geben. Will ich auch haben, nur Schmuzekatzen in Deutschland! Das waere doch was. (Ich fuehle mich erneut in meiner These der gestoerten Asiatischen Wahrnehmung bestaetigt.)

Aber da sind sie nun. Die kleinen zickigen, unverschaemten, schwarzhaarigen Philippinas…hunderte…nein tausende! Doch trotz der ganzen boesen Blicke – den jaaaa, ich wage es, ihr Terrain zu betreten und mache sogar Photos – tun sie mir einfach leid. Ich wuerde nicht tauschen wollen. Fuer kein Geld der Welt. Pappkarton Parties, schlechtes Essen und sehr sehr viel Einsamkeit und Elend. Sie haben sich das Leben so nicht ausgesucht. It’s a fish-eat-fish world. Eine andere alternative gibt es nicht.

Jeden verdienten Groschen – und jeden erschummelten – schicken sie sofort auf die Philippinen um ihre 48 koepfige Familie zu versorgen. Ausrangierte Kleider, Haushaltsartikel, Decoartikel etc. werden in riesen Pappkartons gepackt und ebenfalls „nach Hause“ geschickt. Das Phlippina Hong Kong Export Geschaeft boomt.

Ihnen ist es zu Verdanken, dass in Hong Kong das fuer normalsterblich eigentlich Unmoegliche, moeglich gemacht wird. Kinder + Karriere. Die Kinder sind in „guten Haenden“ – eine Woche Vietnam, dann ein paar Tage Bangladesh, – no problem. Weinen die Kinder? Das geht vorbei. Spaetestens dann, wenn little Ammah sie zwei Stunden lang in eine Dunkle Wohnung sperrt, da sie vorher die Sicherungen ausgeschaltet haben. Oder spaetestens dann, wenn die Kinder mit viel schlechtem fetten Essen beschwichtigt werden, „Don’t tell your Mommy!“ – „Ok, let’s have ready made Maccaroni and Cheese three times a day then! And I want Mc Donalds!“.

Das Problem daran, die kleinen reden nicht darueber. Das hat man ihnen ja verboten. Woher sollen Mama und Papa denn wissen, was genau in Ihrer Abwesenheit ablaeuft? Erst viele viele Jahre spaeter, wenn man mehr erwachsen, als Kind, auf die Vergangenheit zurueckblickt, kommen die Erinnerungen hoch. Scheinbar unerklaerliche Phobien – die Angst vorm Dunkeln, die Angst alleine zu sein, Angst vor Aufzuegen, Angst vor Menschenmassen etc. – sind auf einmal voellige logische Konsqeuenzen frueher kindheitlicher Traumata.

Der ganze „Luxus“ ist also mit Vorsicht zu geniessen.

Dennoch, die Hong Kong Subkultur namens „Little Phlippines“ ist faszinierend. Fleissig und engagiert arbeiten sie daran, ihr Emperium zu erweitern. Menschen bekommen Kinder. Kinder muessen betreut werden, Phlippinas haben arbeit. Die philippinische Einwohnerrate steht also im direkten Zusammenhang mit der Geburtenrate der Hong Kong Society people. Fuer meine heisst es „On Ammah for all“ bei anderen heisst es „One Ammah per kid“. Lustig, denn so wachsen Bruederchen und Schwesterchen mit voellig verschiedenen Mutter-Ersatz-Figuren auf.

Doch so wird es wohl bleiben. Sie werden auch in 10 Jahren noch in ihrem Pappkarton-Koenigreich ihre Sonntage verbingen und Entenlaute von sich geben. Hong Kong ohne Ammahs – nicht mehr vorstellbar. Die gesamte Chefetage eines jeden Unternehmens ist schliesslich davon abhaengig. Die wirtschaftliche Stabilitaet haengt letztendlich von den Philippinas ab.

In dem Sinne – Bis bald!

Lots of love and kisses

Linda

Linda

In Bielefeld geboren, in Hong Kong aufgewachsen und nun in Düsseldorf und Zürich zu Hause. Ich singe für mein Leben gerne, schreibe, weil es der Seele gut tut und möchte vom Leben vor allem eines: Glücklich sein.

A wise person once said to me:

"Never let it be said that to dream is a waste of one's time. For dreams are our realities in waiting. In dreams, we plant the seeds of the future."

Keep on dreaming until dreams come true!

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