Krisengebiet

Hallo ihr Lieben,

vielen vielen Dank für die besorgten Mails bezüglich meines Wohlergehens. Aber ich denke ich muss zunächst etwas klarstellen: Hong Kong ist NICHT in Japan. Wir sprechen auch kein Japanisch. Zum GLÜCK ist es gut 3000km entfernt. Im Verhältnis zum heimatlichen Grund und Boden ist das natürlich nicht wirklich weit weg.

Tatsache ist allerdings, dass hier über die Katastrophe gesprochen wird, die unsere Nachbarn geradezu überwaeltigt hat. Aber niemand läuft hier mit Angst in den Augen durch die Stadt. Keine Katastrophenwarnung. NOCH ist hier niemand beunruhigt. Kann natürlich daran liegen, dass die Chinesen, wie auch die Japaner, Meister des Informationsminimalismus sind und uns vermutlich erst dann warnen würden, wenn wir schon auf unseren Aktentaschen auf der Monsterwelle surfen würden. Aber solche Gedanken lasse ich nicht zu. Mein Glas war immer schon halb voll.

Dennoch bin ich zutiefst erschüttert und bete für die Menschen auf der grossen Insel nebenan. So viel Unglück auf einmal. Das verdient doch niemand :( Ich habe heute Morgen auch schon brav gespendet. Es ist das Mindeste, was ich tun kann.

Ach und alle Gerüchte, dass ich früher nach Hause komme, muss ich vorerst verneinen. Bisher läuft alles nach Plan. Ich hoffe und bete, dass es auch so bleibt.

„The way of handling things“ ist hier leider reichlich makaber. Seit Freitag – wie passend – ist im Country Club ein japanisches Buffet aufgebaut. Man isst und trinkt und tanzt ganz unbehelligt weiter. Ich muss zugeben, das Essen ist der Wahnsinn, aber mir tut es im Herzen weh, in die traurigen Augen der Köche zu gucken, die gezwungenermaßen ein Lächeln hervorbringen, in Gedanken aber ganz klar woanders sind und sich ganz und gar nicht wohlfühlen.

Am Freitag war ich im Restaurant „Tokio Joe“, das absolut beste japanische Essen in ganz Hong Kong, und auch hier feierte man unbeirrt weiter. Nicht mal eine Gedenkkerze. Ich habe immerhin ein „Prost auf die armen Seelen in Japan“ veranlassen können. ICH hatte auf jeden Fall ein schlechtes Gewissen, dort zu sitzen. Aber leider hilft es den Menschen auch nicht weiter, wenn alle zu Hause sitzen und sich ein Butterbrot schmieren. So ist es auf der Welt. Es geht immer weiter. Life goes on.

Mir läuft es allerdings kalt den Rücken runter, wenn ich daran denke, was passieren würde, wenn Hong Kong von solch einer Katastrophe heimgesucht werden würde. Japan war schon immer anfälig für Erdbeben, die Gebäude sind daher ziemlich stabil. In Hong Kong würde mindestens die halbe Stadt wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Alles, was die Chinesen so stolz „selbst gebaut“ haben, ist alles andere als stabil. Hier gibt es etwa 100km weit weg auch ein Atomkraftwerk. SELBSTGEBAUT. Das macht mir das ganze Jahr über fast mehr Angst, als Fukoshima in seinem derzeitigen Zustand. Also müssen wir alle Daumen und Zehen drücken und einfach hoffen, dass alles gut wird. Aus der Ferne sind wir relativ machtlos. SPREAD THE WORD, spenden spenden spenden…mehr können wir nicht tun. Es ist aber zugleich auch das MINDESTE, was wir tun sollten.

Man kann sich natürlich auch hier beteiligen:

http://www.campact.de/atom2/sn11/signer

Wobei ich das einfache ABSCHALTEN nicht unbedigt fuer DIE Lösung halte. Wie sollen wir denn die ganze Energielust der Welt befriedigen? Vor allem in Asien…Ganz ohne AKW geht denke ich nicht. Aber ich will hier gar keine Diskussion entfachen. Jeder Jeck ist anders.

Es ist Montag, die Sonne scheint. Ich sehe nach meinem Tag am Pool aus wie Two-Face aus Batman. Lobsterteint auf der rechten Gesichtshälfte, nice Tan auf der linken. Finde ich ganz wunderbar. Das sind kleine Alltagsprobleme, mit denen ein jeder sich hin und wieder mal ablenken sollte. Denn durch Trübsal blasen ist bekanntlich niemandem geholfen. Auch nicht den Japanern.

Moege Caterina uns alle beschuetzen!

Zur Info: http://de.wikipedia.org/wiki/Katharina_von_Siena

Mein Wochenende war ziemlich ruhig. Viel gelesen, viel entspannt, wenig gefeiert. Ich tanke meine Reserven voll. Mama kommt. Ein Riesenspaß, das weiß ich ganz genau!!!

Mir kribelt’s im Bauch, wenn ich daran denke, dass ich bald wieder meine Liebsten in meiner unmittelbaren Nähe haben darf! Wie wunderbar. Da schleicht sich gleich ein Lächeln auf mein Gesicht.

Und nun freut euch, dass ihr gesund seid, dass euer Haus steht und dass ihr den Luxus von frischer Luft genießen dürft.

Bis ganz bald!

All my love and kisses

 

Linni

 

Moving images:

India:

 

Japan:

Linda

In Bielefeld geboren, in Hong Kong aufgewachsen und nun in Düsseldorf und Zürich zu Hause. Ich singe für mein Leben gerne, schreibe, weil es der Seele gut tut und möchte vom Leben vor allem eines: Glücklich sein.

A wise person once said to me:

"Never let it be said that to dream is a waste of one's time. For dreams are our realities in waiting. In dreams, we plant the seeds of the future."

Keep on dreaming until dreams come true!

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