Vom Zürichberg ins Ghetto

Hallo ihr Lieben,

es lässt sich nicht übersehen: es wurde geheiratet. Groß. Teuer. Mächtig. Steif. Kalt. Very British.

Herzlichen Glückwunsch, dear Kate and William.

Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, dieses Spektakel an mir vorbeigehen zu lassen, aber ich hab’s nichts übers Herz gebracht. Schließlich wird nicht jeden Tag bei den Royals geheiratet.

Reichlich enttäuschend jedoch, diese steife Prozedur namens „der schönste Tag im Leben“. Ein Kleid, das den Erwartungen, die nach der strengen Geheimhaltung jeglicher Details enorm waren, bei weiten nicht gerecht wurde. Eine Schleppe, die einem Entenschwanz glich und auf halbe Länger verreckt ist, einen Schleier, der ihren Kopf an einen Krankenschwester-OP-Look erinnern lies und ein Oberteil, für das sie nicht so sehr hätte hungern müssen, da jegliche weiblicher Rundung sowieso nicht zu erkennen war. Einen Spitzbusen inklusive. Nein. Das war nichts.

Ihr Gesicht sah toll aus. Die Haare auch. Das Prinzenpaar schien jedoch so krampfhaft zu versuchen, jedem Detail der spießigen englischen Etikette gerecht zu werden, dass die Liebe wohl zu Hause vergessen wurde. 1.2Sekunden – der neue Trend: Ultra-kurz-küssen.  Very romantic. Nicht einmal einen verliebten Blick haben sie einander geschenkt.

Aber ich verstehe es natürlich, das man, wenn die eigene Hochzeit von geschätzten 2 Milliarden Menschen verfolgt wird, ein wenig weiche Knie hat und froh ist, sobald man sich dem Licht der Kameras entfernen darf. Punkt für die wunderschöne Gestaltung der Kirche. Ich liebe die Bäume. Die Kutschfahrt war im Betracht auf die hohe Regenwarscheinlichkeit nicht nur mutig, sondern auch sehr romantisch. Aber auch hier: die Hände steife im eigenen Schoß, 30cm Abstand zwischen Braut und Bräutigam. Und Will, why not wear a ring?! After all, it is the 21st century…

Lustig immer wieder: sooooooo lange war die Vorbereitungszeit, die Boulevardblätter berichten seit Wochen von nichts anderem und nun, ruck zuck, ist es vorbei. Wie Weihnachten. 364 Tage lang Vorfreude, Vogel in den Ofen, Geschenke aufreissen, zig Flaschen wein leeren, das wars. Alle Jahre wieder. Hoffentlich gilt das nicht für das Brautpaar.

Wo geheiratet wird, wird sich im „worst case scenario“ auch geschieden. Erst gestern Abend im Terrasse, Tatort: Damentoilette, führten meine Mama und ich ein lustiges Gespräch mit einer quirligen, im Leben stehenden, alleinerziehenden Mutter von vier Kindern. „Seit meiner Scheidung bin ich vom Zürichberg ins Ghetto gezogen und mein Sohn (15) sieht es noch immer nicht ein einen scheiß Teller in die Spülmaschine zu stellen. Ich arbeite 5 Tage die Woche. Ich hasse es. Nein, ich liebe es!“.

 

Wenn ihr also auch eine Mami habt, die sich den Allerwertesten aufreißt, um euch, ihrem ein und alles, eine rosige Zukunft zu bieten, dann schenkt ihnen auch etwas Liebe zurück. Kocht einen Kaffee, pflückt ein paar Blümchen, give her that „Queen for a day“ experience. So this is a toast to AMAZING MOMS! Ich habe eine davon! Und ich liebe sie! UND DAS LASSE ICH SIE AUCH WISSEN.

Ein weiterer wunderschöner Tag in unserer Wunschheimat Zürich neigt sich dem Ende. Die Sonne geht unter, der See leuchtet. Ach, watt schön!!!!!

Heute Abend gehen wir in die Blaue Ente, ich bin gespannt, was mich erwartet. Die Pianobar soll toll sein. Ich habe Hunger, freue mich also sehr darauf.

 

Bis es soweit ist, träume ich noch ein wenig von meiner Hochzeit. Das Kleid habe ich schon vor Augen, aber schon seit langem. Meinen Strauß habe ich auch schon ausgesucht. Das Szenario auch. Eigentlich steht schon alles. Doch nun werde ich noch ein paar Jährchen warten. Die Vorfreude genießen, denn bekanntlich ist der Moment ja so schnell wieder vorbei 😉

 

God save the Queen! God save my mom!

Bis ganz bald.

All my love

 

Linda

Linda

In Bielefeld geboren, in Hong Kong aufgewachsen und nun in Düsseldorf und Zürich zu Hause. Ich singe für mein Leben gerne, schreibe, weil es der Seele gut tut und möchte vom Leben vor allem eines: Glücklich sein.

A wise person once said to me:

"Never let it be said that to dream is a waste of one's time. For dreams are our realities in waiting. In dreams, we plant the seeds of the future."

Keep on dreaming until dreams come true!

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