Das Kachelmann Syndrom

Hallo ihr lieben,

weiter gehts mit dem Sommerwetter. Nun hat die wohl aufregendste Jahreszeit auch endlich offiziell begonnen.

Für alle, die es noch nicht gehört haben: die spanischen Gurken sind NICHT an den EHEC Infektionen Schuld. Die Bauern mussten Ernten in Millionenhöhe vernichten. Der wirtschaftliche Schaden ist riesig. Gott sei Dank. Sonst wären wir ja nicht in Deutschland.

Für mich fällt die Geschichte in die selbe Schublade, wie der Fall Kachelmann. Freispruch 2. Grades. Für sowohl den angeblichen Vergewaltiger, als auch für die angeblich verseuchten Gurken. FREISPRUCH. Aber die Menschen haben sich doch längst ihr Urteil gebildet. Haben es fest verankert. Wie in Stein gemeißelt. Ein Kachelmann wird sich nie mehr auf die Straße begeben können, ohne bösen Blicken ausgesetzt zu sein, spanisches Importgemüse wird für die nächsten Jahre verpönt bleiben. Denn so modern sie sich auch darstellen – die Deutschen sind ganz schön festgefahren. Wenn es darum geht Katastrophen zu prophezeien, haben sie alle ein Gedächtnis, wie ein Elefant. Nicht umzustimmen und maximal nachtragend.

Die Presse ist eine Hure. Pardon, ich verniedliche das ganze. Die Presse ist eine…Professionelle…eine Bordsteinschwalbe. Kann sie einen Nutzen aus Dir ziehen, so lässt sie dich hochleben, fördert dich, saugt dich bis zuletzt aus, du bringst Geld ein. Sie lechzt danach. Tut alles, um einen maximalen Profit aus dir zu ziehen. Doch dann, wenn der Job erledigt, du also uninteressant bist,  lässt sie dich fallen und zwar so tief, dass schon so manch einer daran kaputt gegangen ist. Existenzen werden zersprengt, Seelen zerbrochen. Bad News sells. Ich sags immer wieder.

Ich esse weiter meine Gurken. Zum Kachelmann will ich mir gar kein Urteil bilden. Die Sache ist für mich erledigt.

Düsseldorf – stolze Heimat der wohl längsten Theke der Welt. Die Bolkerstraße. Prunkstraße. Haha, klar. Bei einer kurzen Stippvisite musste ich erschrocken feststellen, dass ich entweder ganz schön spießig bin, oder die Zeiten sich geändert haben. KINDER SIND UNSERE ZUKUNFT. Ja sicher, da stimme ich zu. Aber doch nicht Nachts um 3 als Kindsfrauen verkleidet auf der Partymeile namens Altsadt. Jeder zeigt, was er hat. Mit Reizen wird nicht gegeizt. 14 Jährige, die auch gut und gerne 25 sein könnten. Bisschen Tusche hier, ein wenig Rouge da, fett Lipgloss, rechts und links ein Söckchen unter die Bluse, den Gürtel als Rock um die Hüften gebunden – ready for the Party. Ich gucke da nicht gerne hin. „Ey, isch will dich f*cken“. Standartsatz. Klar, asozial, aber mir tun die Männer leid. Ich würde nicht tauschen wollen. Da werden ihnen schon die Früchte der Jugend so provokant präsentiert. Perfekte Jugendliche Körper minimal in Stoff verpackt und dann sollen sie NICHT hingucken? Tun sie es aber doch, machen sie sich quasi strafbar -wie gesagt, es handelt sich um KINDER. K-I-N-D-E-R.

 Mit 14 war ich verliebt in mein Pferd. Ich habe ab und an etwas Wipmerntusche auflegen dürfen. Rouge war etwas ganz besonderes. Ich war noch Kind. Das bestätigen auch alte Bilder. Heutzutage neigt man fast dazu, so etwas peinlich zu finden. SPÄTREIF. Nein. Einfach ein Kind, das noch KIND sein darf. Es folgen noch geschätze 80 Jahre – denn unsere Generation tendiert ja dazu, die 100er Grenze zu knacken – in denen man ganz wunderbar erwachsen sein darf. Ich wünsche mir die Unschuld in der Gesellschaft zurück. Vielleicht bin ich spießig, aber ich gucke da nicht gerne hin. Mit meinen zarten 19Jahren entwickle ich Muttergefühle, wenn ich die verlorenen Wesen sehe. Einfach an die Hand nehmen und beschützen. Dann mit ins Kino nehmen. Zur Eisdiele. An den Rhein. In den Reitstall. Ach, wo auch immer hin! Nur RAUS aus der Scheinwelt, die sie sich aufgebaut haben. Die Mini-Erwachsenenwelt macht mir Angst. Nein, sie macht mich traurig. Denn die meisten dürfen eine Kindheit, wie ich sie hatte gar nicht erleben. Dabei ist sie so natürlich. Und so wichtig. Kinder sollen sich nicht um kurze Partykleidchen und perfekte Schmolllippen sorgen. Der kauf einer 7 Liter Absolut Vodka Flasche sollte auch nicht das Ziel des Wochenendes sein. Und macht euch doch nicht so früh schon die Füße kaputt. Socken im BH sind außerdem nichts sexy. Hoffentlich werden sie nicht ausgepackt. Let´’s take a step back. Wozu denn die Eile?

Mich fasziniert grundsätzlich die Geschwindigkeit, in der heutzutage alles abläuft. Am Dienstag war ich mit meinem Vater auf einem Event in Hamburg. Ein netter Herr hat mir dort stolz seine neue Kamera präsentiert. Canon G12. Ich hab mich sofort verliebt. Heute um Punkt 2 hat sie DHL bei mir abgeliefert. Nagelneu. Schick verpackt. Amazon macht es möglich. Ich hab die Speicherkarte vergessen. Die kommt morgen. 13 Uhr. Overnight Express. Pizza bestellen wir über das iPhone. Die Pizza.de App macht es möglich. Die ersten Bilder werden entwickelt und vermutlich am Montag zu mir nach Hause geschickt. Online lässt sich alles bestellen. Außerdem liefert Topshop mir die am Mittwoch bestellten Kleider bis spätestens Montag zu mir nach Hause. Ich gebe es offen zu – ich bin absoluter Fan diese Highspeed Lebens! Werde nervös, wenn ich an der Kinokasse auf meine Tickets warten muss und ärgere mich, dass ich sie nicht bereits online bestellt habe. Aber ich genieße es umso mehr, wenn ich dem ganzen für eine Weile entfliehen kann. Ein Spaziergang mit den Hunden am Rhein. Oder ein easy Lunch auf unserer Terrasse. Am liebsten im Strozzi am See. Oder im Club 55. Aber wenn das gerade nicht machbar ist, dann genieße ich mein zu Hause. Ich muss mich selbst oft dazu zwingen, die Dinge einfach geschehen zu lassen und die Angst abzulegen, irgendetwas zu verpassen. Rastlos zu sein, ist nicht gesund. Ich schlafe dann schlecht. Verarbeite alles in wüsten Träumen. Eine Dosis ABSCHALTEN, jeder sollte sich das hin und wieder verschreiben.

Ich hübsche mich jetzt etwas auf. Als gesetzlich Erwachsene darf ich das. Freue mich auf ein Familiendinner mit Oma, Opa und Co.

Euch allen wünsche ich einen tollen Start ins Wochenende – falls es gestern nicht schon begonnen hat 😉

Nachträglich nochmal: HAPPY FATHER’S DAY! Ich hoffe, die Bollerwagen haben eure Idylle nicht zerstört. Drückt ein Auge zu. Das fällt ja quasi in die Kategorie „Kinderlärm“.

All my love and kisses

Linda

Linda

In Bielefeld geboren, in Hong Kong aufgewachsen und nun in Düsseldorf und Zürich zu Hause. Ich singe für mein Leben gerne, schreibe, weil es der Seele gut tut und möchte vom Leben vor allem eines: Glücklich sein.

A wise person once said to me:

"Never let it be said that to dream is a waste of one's time. For dreams are our realities in waiting. In dreams, we plant the seeds of the future."

Keep on dreaming until dreams come true!

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