Winner winner chicken dinner

Hallo ihr lieben,

über eine Woche ist es nun hier, aber ich dachte mir,dass ich lieber nicht schreibe, wenn ich nicht „inspiriert“ bin.

Blockade gelöst, auf gehts.

Ich war gestern zum ersten mal in meinem Leben in den „heiligen Hallen“ eines Casinos. Genauer: im Grand Casino Baden.Zugegeben, alleine hätte ich mich dort niemals hingetraurt, denn der Ort hat in etwa den Charme einer Düsseldorfer Bahnhoftoilette. Vermutlich hätte ich den Weg vom Auto zum Casino nicht heil überständen, bzw. wäre nun im ersten LKW auf den Weg über die Grenze, neuer Job: Zwangsprostituierte. Naja, ich tendiere evt. ein wenig zur Übertreibung. Zum Glück hatte ich meinen persönlichen Hof Beschützer dabei. Das Casino an sich war super gepflegt und gar nicht mehr so bedrohlich. Nagut, der Zuhälter, der neben mir am Blackjack Tisch saß hat mir mit seiner funkelnden Rolex schon ein wenig weiche Knie gemacht. Aber ich hab mich nicht beirren lassen. Winner winner chicken Dinner. Spießig, wie ich nunmal bin, stehe ich nicht so auf einen gedankenlosen Umgang mit Geld, habe also auf Nummer sicher gespielt. Meine Gewinnquote: ein Plus von 240%! Danach habe ich einfach aufgehört und habe mich gefreut :) Der Nervenkitzel hat sich also gelohnt. Die abgekauten Fingernägel mussten heute allerdings in mühevoller Kleinstarbeit korrigiert werden. Ich darf dabei jedoch nicht verleumdnen, dass sogar mir, ich bin wirklich kein Mensch, der dazu neigt einer Sucht zu verfallen, das „Aufhören, wenn es am besten läuft“, sehr schwer gefallen ist. Gewinnt man erst einmal, wird man übermütig, man will mehr und mehr und mehr.

Dann kommt er wieder zum vorschein. Der innere Schweinehund. Er ächzt danach endlich die Überhand ergreifen zu können…nur noch eine Runde…noch eine…noch eine…Black Jack! WINNER WINNER CHICKEN DINNER! Wobei unser Chickendinner dem Casinobesuch bereits vorangegangen ist. I love Weinbergs Mistratzerli!!

Wie gierig wir Menschen doch sind. Wie tief wir uns doch selbst in den Abgrund stürzen können. Wie die Lemminge springen wir dem scheinbar so greifbaren Erfolg hinterher und merken gar nicht, dass wir fallen. Dass wir uns verletzten werden, sobald der Aufprall kommt. No risk no fun? Hmm…

Links am Tisch saß ein kokainabhängiger Pokerstar, der „mal so eben“ 10.000CHF in den Sand gesetzt hat. Rechts neben mir saß ein unscheinbares kleines Männchen, bei dem es scheinbar um die Zahlung seiner nächsten Monatsmiete ging. Wenn das Spiel zur Sucht wird, sind die Probleme vorprogrammiert. Es sei denn man hat Freunde. Ich nenne keine Namen, aber ich habe bewusst Chips „geklaut“, auszahlen lassen und habe das Geld erst wieder rausgerückt, als wir fernab eines jeden Casinos auf dem Heimweg waren. Safety first. Gilt nahezu überall.

Beim Blumenpflücken in unserem prächtig blühenden Hortensiengarten habe ich meinen Gedanken mal wieder freien Lauf gelassen. Ich habe mich gefragt, warum ich, bzw WIR, das, was wir so schön finden, töten und in einer Vase sterben lassen. Warum pflückt man das Blümchen am Wegrand? Liegt es daran, dass wir gierigen Wesen diesen Anblick für uns alleine haben wollen? Liegt es mal wieder an dem im Menschen verwurzelten Egoismus? Oder polieren wir unser Selbstwergefühl auf, indem wir unser Umfeld verzieren um einen postitiven Eindruck zu hinterlassen? Sind wir im ständigen Wettbewerb mit unserem Umfeld? Wollen wir somit unsere Individualität steigern? Besonders sein..den anderen etwas voraus haben? Aber wir schmücken uns mit fremden Federn. Die Schönheit der Blumen soll auf uns abfärben, sie soll das Bild, das unser Umfeld von uns als Individuum verinnerlicht hat, ergänzen, vielleicht aufpolieren. Doch inwieweit wird dieses Bild von unserer Person gestaltet. Anders: inwiefern wird es durch FREMDE FEDERN verziert? Wieviel von UNS steckt noch darin? Genügen wir uns nicht? Oder warum müssen wir uns ERWEITERN und ERGÄNZEN?

Ein Bezug zur Modewelt: es gibt Punks, es gibt Gucci-Prada-Mäuschen, es gibt Hippies, es gibt Gothics, es gibt Fashionistas…sie sind alle so grundauf verschieden und doch so gleich. Denn alle eifern sie de, einen Ziel entgegen: sie wollen wahrgenommen werden. In ihrer Rolle. Mit ihren Piercings, Stiefelchen und Handtäschen. Sie wollen individuell sein. Doch zieht man sie nackt aus, stellt sie alle nebeneinander, am besten auch noch kahlrasiert, dann sind sie doch alle ganz schön gleich. Wie ist es mit den Modemachern? Den Erfindern da draußen in der Welt? Stehen sie über uns? Oder sind wir nicht alle ein Stück weit Erfinder und Konsument? Alles hat irgendwo seinen Ursprung. Eine Muse soll ihren Künstler inspirieren. Ist dann jedoch nicht automatisch das Werk des Künstlers auch zum Teil ein Verdienst der Muse. Und wenn man dann bedenkt, dass die Muse bereits anderswärtig beinflusst wurde, nimmt das ganze doch kein Ende. Wir definieren uns, also durch Zusatze, mit denen wir unsere eigenen Körper und Geister ergänzen.

Um das ganze nicht auf Äußerlichkeiten zu beschränken: mit dem erlangen von Wissen ist es doch meist genauso. Würden wir nur auf das Wissen zurückgreifen, dass wir aus Erfahrungen der ersten Hand erlebt haben, dann würden wir den Ansprüchen des heutigen Zeitalters doch gar nicht gerecht werden können. „Please learn from my mistakes“. Wir alle tun es. Wir googlen. Wir greifen auf Informationen zurück, die andere für uns gesammelt haben. Wir verinnerlichen sie. Wir bauen sie fest in unser Repertoire ein. Beruht unser scheinbar individuelles Wissen also auf einer Ansammlung fremder Errungenschaften? Bestehen unsere Unterhaltungen, in denen ja bekanntlich Wissen ausgetauscht wird, also aus einer Anhäufung zitierter Plagiate? In wiefern ist das verwerflich? Kann man Wissen wohl patentieren? Hmm… mir macht das Kopfschmerzen.

Ich finde, um dem guten Herrn von und zu Guttenberg ein wenig den Rücken zu stärken, dass unsere Gesellschaft ohne Plagiate ihren eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden kann. Ist eine sinnvolle und intelligente Ausführung einer These, die vorher bereits ein anderer gestellt hat, nicht viel wertvoller, als eine Anhäufung eigener Gedanken, die jedoch nicht annähernd so aussagekräftig sind, wie im Fall Nr.1?

Sind wir individuell, wenn wir uns mit Jane Birkins Taschenentwurd aka. der BIRKIN Bag, auf einen Stadtbummel begeben? Die Mischung machts? Gut, aber was hat euch inspiriert? Heidi Klum? Karl Lagerfeld?

Ein kleiner Dieb steckt also in jedem von uns.

Mir ist es am wichtigsten, dass die Menschen, die ich Liebe wissen, dass meine Liebe zu Ihnen zu 100% authentisch ist. 100% Linda. Es ist fast gruselig, dass Menschen heutzutage wie Maschinen gesteuert werden können. Durch die Verabreichung verschiedenster Hormone können wir Menschen in JEDE Gefühlslage gebracht werden. Freude, Trauer, usw. Aber die Liebe, die kann nicht fremdgesteuert werden. Entweder sie kommt von Herzen, oder sie bleibt aus.

Aus Liebe zu meinen Hunden, werde ich nun den lang ersehnten Spaziergang in Angriff nehmen. Einmal zum Schübelweiher und wieder zurück.

Also ihr Diebe!

Have a great day!

All my love and kisses.

Linda

Linda

In Bielefeld geboren, in Hong Kong aufgewachsen und nun in Düsseldorf und Zürich zu Hause. Ich singe für mein Leben gerne, schreibe, weil es der Seele gut tut und möchte vom Leben vor allem eines: Glücklich sein.

A wise person once said to me:

"Never let it be said that to dream is a waste of one's time. For dreams are our realities in waiting. In dreams, we plant the seeds of the future."

Keep on dreaming until dreams come true!

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