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Integration. Integrieren. Integriert werden? Ja was denn nun?

Guten Morgen ihr Lieben.

Wie herrlich befreiend ein Spaziergang um kurz nach 7 über Schweizer Hochwiesen doch sein kann. Die Hunde lieben es. Ja, bin wohl etwas früh aus dem Bett gefallen. Aber das ist nicht schlimm. Ich habe so tief und so erholsam geschlafen, meine Energiereserven waren dann natürlich schon in den sehr frühen Morgenstunden zu 100% aufgetankt. Ein schöne Gefühl, so „aufgeladen“ wach zu werden.

Vor ein paar Tagen war ich auf einer sehr interessanten Lesung einer tollen Schriftstellerin und Freundin; Wäis Kiani.

Sie promoted zur Zeit ihr neues Buch „Hinter dem Mond“.

An dieser Stelle also ein wenig Werbung:

AMAZON

Und mehr zur Autorin:

WÄIS KIANI

Nur kurz: Im ROMAN beschreibt die kleine Liliy ihr Leben in ihrer „Heimat“ Teheran – in der sie sich so gar nicht zu Hause fühlt – und stellt diverse Konflikte und Eigenarten dar, denen sie in der Teheraner Gesellschaft begegnet. Kurzweilig, intelligent und absolut unterhaltsam geschrieben. Dabei sehr ehrlich, fast brutal und ganz und gar nicht „hinter dem Mond“.

Lili hasst den Iran. Sie hasst die komischen Sitten und Regeln. Sie hasst die aufgesetzte Freundlichkeit und den absoluten Mangel an Aktualität im Vergleich mit der westlichen Gesellschaft.

Darum auch der Disput; wer es wagt den Iran und dadurch natürlich auch den Islam in ein nicht ganz so helles Licht zu rücken, der trifft auf Empörung. Aber es geht bei „Hinter dem Mond“ nicht darum eine Gesellschaft schlecht zu sprechen. Es geht lediglich um den Konflikt eines Junges Mädchens, sich in einer ihr sehr fremden und nicht sympathischen Gesellschaft zu integrieren. Will sie sich überhaupt integrieren?

Nach der Lesung sind wir in ein – ich muss natürlich frech zugeben: SEHR UNTERHALTSAMES – Wortgefecht mit einer iranischen Familie geraten, die leider die Vorurteile, die auch klein Lilly im Roman ausspricht, zu 100% bestätigt haben.

Während des Disputes kreisten die Dinge andauernd um das Thema Integration. Darum stelle ich mir die Frage: wer muss denn Integration leisten?

Muss ein Land fremde, dazugezogene Menschen integrieren? Müssen die Dazugezogenen sich selbst integrieren? Muss ich mich integrieren wollen?

Ein sehr schwieriges Thema.

Ich formuliere vorsichtig ein paar Thesen, die mir schlüssig erscheinen:

Meiner Meinung nach – und ich lasse mich hier gerne belehren – muss ein Land NICHT dafür sorgen, dass es sich den Sitten der fremden Kulturen beugt, bzw. seine eigenen für diese reformiert. Denn schließlich sind die meisten doch freiwillig gekommen und wissen doch, worauf man sich einlässt?

Wenn ich nackt am Strand liegen möchte, dann mache ich das doch nicht in der islamischen Hochburg? Ich verlange nicht, dass sie das tolerieren, obwohl es sich mit ihreren kulturellen und religiösen Sitten absolut nicht vereinbaren lässt. Ich fahre dann lieber nach Usedom oder sonstwo hin an den FKK Strand. Im Gegenteil – ich würde mir eher ein schönes Kopftuch kaufen und ihren Sitten Respekt erweisen. Wenn ich keine Lust auf Kopftücher habe (ich reduziere hier niemanden auf ein Kopftuch, dient nur als Beispiel) dann fahre ich einfach woanders hin. Zum Beispiel nach Amerika.

Andersrum würde ich es genauso erwarten.

Aber leider wird vor allem das deutsche Volk sehr häufig an seine nationalsozialistische Vergangenheit erinnert, wenn sich klein Lieschen Müller traut, einen Bundesadler auf ihr Auto zu kleben. Oder gar eine Schwarz-Rot-Goldene Radkappe anzubringen. Nationalverherrlichung.

In einem Land, in dem das Christentum nunmal sehr präsent ist, dürfen nun keine Kreuze in den Schulen hängen, da das natürlich nicht mit den anderen Religionen zu vereinbaren sei? Come on….

Böse gesagt: Aber dann doch auch bitte keine Erkennungskennzeichen in Form von Verhüllungen und Vermummungen auf unseren Straßen. Gleiches Recht für alle.

Für mich ist es also klar: Ziehe ich in ein Land, dessen Kultur anders ist, als meine, so passe ich mich an. Oder ich ziehe nicht dort hin. Basta.

Natürlich kann Integration erleichtert werden, in dem ich herzlich willkommen geheißen werde. Es gehören schließlich zu jedem erfolgreichen Kommunikationsakt mindestens zwei Instanzen dazu. Aber ICH bin die Außerirdische. The Legal Alien – wie es auch schon Sting besungen hat.

Integration finden für mich aber nicht nur auf der kulturellen Ebene statt.

Ich, als Kind einer Patchwork Familie, weiß wovon ich spreche, wenn ich behaupte, dass eine Scheidung mit Happy End nichts anderes, als ein sehr intensiver Integrationsakt ist.

Jeder neue Mann an Mamas Seite hat es natürlich zunächst schwer. Aber er weiß ja, dass er sich auf eine Frau mit einer Vergangenheit einlässt. Eine Vergangenheit mit Souvenirs. Zufällig zwei kleine Rotznasen, die natürlich nur darauf warten jeden Fehler des „Neuen“ zerreissen zu dürfen. Aber man lernt dazu. Man nähert sich an. Man passt sich einander an. Und am Ende entsteht im Idealfall eine neue Familie. Mathematisch würde ich es so ausdrücken:

 

Kernfamilie (KF)

Neuzugang (NZ)

Neue Familie (NF)

 

KF:2 + 2*NZ = KF-> Wenn sich beide „Parteien“, also Vater und Mutter, noch verstehen.

Sonst sieht es so aus:

KF:2 + 2*NZ = 2*NF -> Hier ist es dann leider nicht so harmonisch, wie im ersten Fall.

 

10 Jahre Ausländerdasein, Teil einer Patchworkfamilie, nun in der Schweiz wieder eine Ausländerin. Ich denke, ich spiele das Integrationsklavier nun wirklich hoch und runter. Sogar in Asien habe ich mich nach einer Weile nicht mehr fremd gefühlt. Naja, ein wenig vielleicht, weil hier ja auch diverse phänotypische Merkmale und eine nicht zu unterschätzende Sprachbarriere ein Rolle spielen.

Ein Banause bin ich auch: ich habe mich geweigert Chinesisch zu lernen und weigere mich Schweizerdeutsch zu sprechen. So weit reichen meine Integrationsambitionen demnach nicht. Aber ich beschwere mich auch nicht. Denn ich habe ja die Wahl: Ich könnte es lernen und somit die Barrieren einfach einrennen, ich könnte das Land verlassen, also davonrennen, oder ich könnte mir ein ganz tollen Smartphone besorgen, dass einfach alles für mich übersetzt. Letzteres ist doch wohl eine sehr coole Alternative 😉

Integration wird uns doch nahezu in jeder Lebenssituation abverlangt, wenn wir denn dazu gehören wollen. Integrationsfähigkeit, Anpassungsfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit…alles Tugenden, die einem das Leben erleichtern.

Denn es läuft grundsätzlich nicht, wie geplant. Die Umstände werden einen herausfordern ebendiese Tugenden unter Beweis zu stellen. Ob im Job, in der Liebe, oder gar im Schnäppchen Supermarkt um die Ecke.

Und seien wir doch mal ehrlich: So schwer ist es doch gar nicht 😉

Aber lasst Euch nicht die Butter vom Brot nehmen! Denn: kommt man mir doof, dann kann ich meinen „kleine Mädchen Charme“ auch schnell verschwinden lassen und mich ganz dem Niveau meines Gegenübers anpassen 😉 Ein wenig „Bitchpotenzial“ steckt in jedem von uns, oder?

So, genug geschwafelt. Ich starte nun in den Tag. Voller Energie 😉

Bis bald.

Love hugs and kisses,

 

Linni

 

Linda

In Bielefeld geboren, in Hong Kong aufgewachsen und nun in Düsseldorf und Zürich zu Hause. Ich singe für mein Leben gerne, schreibe, weil es der Seele gut tut und möchte vom Leben vor allem eines: Glücklich sein.

A wise person once said to me:

"Never let it be said that to dream is a waste of one's time. For dreams are our realities in waiting. In dreams, we plant the seeds of the future."

Keep on dreaming until dreams come true!

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