Offline.

Guten Tag ihr lieben,

falls ihr Euch wundern solltet: Ja! Ich bin offiziell OFFLINE! No more Social Media for me.

Facebook ging es als erstes an den Kragen. Danach Instagramm.

Warum? Ich erzähle es Euch….

Es war mal wieder eine dieser typischen Mädelstage im wunderschönen London. Shoppen, herumalbern, und dann zum Frischmachen im Hotelzimmer einkehren.

Das stand es dann; silbern glitzernd, verführerisch grün leuchtend (ganz zart, am Ladekabel) und vor allem bereits für das trügerisch naive Blau der interaktiven Facebookwelt.

Blau scheint ohnehin die Farbe unserer digitalen Generation zu sein.

Genauso blau funkelten stets meine Augen in der Hoffnung auf eine neue Nachricht in meinem Postfach oder einen neuen „gefällt mir“ Klick unter einem meiner Bilder. Wenn ich mich nicht ganz täusche wurden sogar die Pupillen etwas großer…aber dann wäre Facebook ja eine Droge. Und ich nehme keine Drogen. Nur Nasenspray. Aber das ist eine andere Geschichte…

Also – Macbook auf, Nachrichten „nur mal schnell überflogen“ und schon hat sich der Minutenzeiger ein ganzes Mal um seine eigene Achse gedreht. Ein Blick zu meiner Freundin bestätigte den Verdacht, dass es ihr ganz genauso ergangen war. Eine weitere ganze Stunde meines Lebens, in der ich meine Beziehung zu einem dünnen Retinadisplay und den paar Pixeln und Daten, die man Freunde nennt, geopfert habe.

Eine Stunde, die mir (wer weiß) am Ende dann fehlen wird. Eine Stunde in der ich die Luft im Hydepark hätte einatmen können, eine Stunde in der ich mein Buch hätte lesen können….ICH HABE SO EBEN EINE STUNDE VERSCHENKT. Zeit ist doch unser wertvollstes Gut?!

Die Euphorie entwich meinen Augen und ein Anflug von Panik lies sich erahnen.

Also bin ich kurz in mich gegangen, habe überlegt. Eine Pro und Contra Liste in meinem Kopf erstellt.

Pro:

– Freunde immer und überall erreichen (Wozu gibt’s ein Telefon?!)

– Auf dem neusten Stand sein (Geht das denn nicht auch anders?)

….

… ja….ehm…und dann?

 

Contra:

– Sind das meine Freunde? Welcher Mensch hat 1125 Freunde?!

– Negative Kommentare tun weh. Auch, wenn man es nicht zugibt.

– Mein Drang zur öffentlichen Selbstdarstellung ist doch eigentlich gar kein Teil meiner Persönlichkeit, aber bei FB schaltet wohl die Logik ab.

– Die Verpflichtung immer Online zu sein. Wer sagt mir denn, ich müsste immer und sofort antworten? Liegt eine Mail mal ein paar Tage lang im Postfach kommt direkt: „Sag mal, bist du sauer?“

– Warum muss denn JEDER immerzu wissen, wo ich gerade bin? (Ich weiß, es liegt immer am Nutzer selbst. Ich mag keine halben Sachen. Poste das demnach auch)

– Die Lebenszeit, die dabei drauf geht.

– Diverse Statusnachrichten, die förmlich nach Aufmerksamkeit schreien. Das ist grundsätzlich so. Oder warum sonst schreibt Max Müller „Bin duschen“ oder „Popel in der Nase gefunden! Halleluja!“ – Inhaltliche Sinnhaftigkeit bzw. Relevanz für MEIN Leben? -> Nicht vorhanden. Aber Hauptsache, man hat etwas gesagt und erfüllt somit die persönliche Facebook Quote. Eine Gähnende Leere auf der Pinnwand könnte dazu führen, dass man in Vergessenheit gerät. Das wäre furchtbar also bloß ordentlich Mist im Netz veröffentlichen.

– Was einmal da war wird nie wieder verschwinden. „Du wurdest auf folgendem Foto verlinkt“. Nervt. Ich will auf keiner Moet Chandon Flasche verlinkt sein. Auch nicht auf Katzenbabys. Auch nicht auf Labradorwelpen. Ich will das selbst entscheiden.  Kann man ausschalten, ja. Aber irgendwie und irgendwann finden die großen blauen Tieraugen immerzu einen Weg auf deine Pinnwand. Da ist sie wieder. Die Farbe BLAU.

– Facebook nimmt mir die Zeit, die ich viel schöner bei einem Bummel durch die Stadt oder einem Kaffeeklatsch mit meinen ECHTEN Freunden verbringen könnte. Denn diese Menschen bereichern mich NACHHALTIG. Und nicht nur in Pixelform mit dubiosen Hintergedanken.

– Ich muss keine Angst haben, dass evt. pikante Details ins Netz gestellt werden, die ich lieber für mich behalten würde.

– Notlügen über erflunkerte Aufenthaltsorte fallen nicht auf, weil man als „ist gerade da und da“ markiert wird 😉 Das heißt nicht, dass ich grundsätzlich falsche Angaben mache. Ihr wisst ganz genau, was ich meine!

– Die Mauer des Bildschirms. Hinter der Mattscheibe lassen sich wahre Absichten und böse Hintergedanken ganz toll verheimlichen. Ein gelogenes „Awww, du siehst so toll aus“ unter einem Foto, das einen Tag nach einer Weißheitszahn OP geschossen wurde – FÜR DEN A****

– Datenraub. Ich will nicht, dass meine Daten an Dritte weitergegeben werden. Ich will auch keine Werbung, die auf mein Nutzungsprofil abgestimmt ist, am Rande meines Bildschirms. ICH WILL EINFACH NICHT, dass Hinz und Kunz meinen Namen noch tiefer ins WWW integrieren kann und ich gar keinen Einfluss darauf habe, wo sie dann letztendlich ankommen. DAS SIND MEINE DATEN. Und ich will sie nicht Teilen.

Mir fällt sicher noch mehr dazu ein. Aber ich bin gerade in der Bahn. Mit meinem Laptop und meinem Surfstick. Ohne Facebook. Und bin gleich zu Hause.

Gestern Abend habe ich Visitenkarten in Auftrag gegeben. Richtig edle, schöne Visitenkarten. Wenn ich nun jemanden kennenlerne, mit dem ich gerne in Kontakt bleiben würde, so darf ich die dann stolz verteilen.

Ist doch sowieso viel cooler. Digitale Daten sind doch so vergänglich. Papier. Bzw. Pappe. Luxuspappe. Hält dann doch viel länger.

Meine Freunde will ich natürlich nicht missen. Doch die haben meine Nummer.

So call me maybe…

Love hugs and kisses!

 

Linni

Linda

In Bielefeld geboren, in Hong Kong aufgewachsen und nun in Düsseldorf und Zürich zu Hause. Ich singe für mein Leben gerne, schreibe, weil es der Seele gut tut und möchte vom Leben vor allem eines: Glücklich sein.

A wise person once said to me:

"Never let it be said that to dream is a waste of one's time. For dreams are our realities in waiting. In dreams, we plant the seeds of the future."

Keep on dreaming until dreams come true!

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