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Lästerschwester

tratsch

Ich bekenne mich schuldig im Sinne der Anklage! Okay, ich werde es auch aussprechen: Ich liebe es zu Lästern. Über Gott und die Welt. Über Modesünden, Fehltritte, Attitüden und einfach Dinge, über die ich mich gerade aufregen und auslassen will. Ganz ehrlich? Es tut manchmal so gut, den Kopf von den eigenen Probleme abzuwenden und sich gänzlich den kleinen Fehlern und Macken anderer zu widmen. Aber es gibt für mich ganz klar unterschiedliche Formen des Lästerns. Man kann Menschen damit verletzen (das ist die dumme und unschöne Art) oder man lästert wirklich nur des Lästerns wegen und weiß, dass das, was man behauptet am Ende des Tages belanglos und nichtig ist. Wer gemeinsam über andere lästert, stärkt das Gefühl der Zusammengehörigkeit. Aber natürlich nur, wenn über Menschen außerhalb der Gruppe hergezogen wird. Ansonsten kann üble Nachrede auch eine Gemeinschaft komplett auseinander reißen.

Unschön benimmt man sich, wenn man offensichtlich oder gar öffentlich über eine dritte Person urteilt bzw. abfällige Bemerkungen von sich gibt. In diese Kategorie ordne ich auch „Bitchen“ und „Rufmord“ ein. Hier werden Intrigen geboren und kleine Machtkämpfe ausgetragen. Dann möchte man Jemanden verletzen. Man möchte Unsinn verbreiten oder Fakten, die man nicht kommunizieren sollte (da sie z.B. sehr intim sind), in die Umlaufbahn bringen. Aber diese Form des Lästern zeugt meistens von Unsicherheit oder gar Boshaftigkeit. Vielleicht sogar von einem schlechten Charakter. Es gibt weniger, als eine Handvoll Menschen über die ich jemals so böse sprechen würde. Aber auch hier spiele ich mit offenen Karten. Diese Personen wissen das dann auch, denn meistens stellt mein Verhalten nur ein Echo ihres eigenen dar. Wie es in den Wald hineinruft … Aber diese Menschen haben mich auch verletzt. Oder Menschen verletzt, die mir sehr am Herzen liegen. Denen möchte ich dann auch nichts gutes. Ich bin kein gehässiger Mensch, aber ich nehme mir das Recht, mich zu wehren.

Diese Form des Lästern ist aber wirklich anstrengend und (bei mir zumindest) sehr sehr SEHR selten. Aber die Form meine ich auch nicht, wenn ich sage, dass das Lästern mir Spaß macht.

Ich meine die viel harmlosere, belanglosere Form des dummen unbedachten Dahinredens, die aber niemals jemanden verletzen wird, da sie weder über einen aussagekräftigen Inhalt, noch über die Verbindung zum Lästerobjekt verfügt. Die Botschaft kommt also nicht da an, wo sie verletzen könnte. Ich sitze gerne mit einer guten Freundin in einem Cafe in guter Lauflage (in Düsseldorf bietet sich da natürlich die Königsallee an) und beobachte die Menschen. Es gibt viele ulkige Gestalten da draußen. Das ist auch gut so. Dennoch kann ich mir den Kommentar über die eine oder andere Gestalt nicht verdrücken. Der wird dann jedoch ganz leise ausgesprochen und auch nur so, dass das Zielobjekt nichts davon mitbekommt. Natürlich ist auch das doof. Aber man ist doch auch nur Mensch und hat das Recht dazu auch mal dumm sein zu dürfen. Ich sitze wie gesagt mit einer guten Freundin da, die genauso gut, wie ich weiß, dass es absolut belanglos ist, was wir da erzählen. Wir haben es auch im nächsten Augenblick wieder vergessen, denn dann wird ja schon der nächste viel zu pralle Busen in viel zu knappem Oberteil bewertet. In diesem Stündchen im Cafe vergesse ich alles, was mich sonst beschäftigt. Ich denke nicht an anstehende Klausuren, an viel zu hohe Handyrechnungen und auch nicht daran, ob ich endlich die Bikinifigur erreicht habe, von der ich träume. Ich denke absolut nicht an mich. Und das tut gut. Dieses Lästern verbindet sogar. Oder woher sonst stammt der Begriff „Läster SCHWESTER“?

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Es gibt eine weitere Form des Lästerns. Diese sollte bitte unbedingt als Kompliment aufgefasst werden. Wenn ich über Gisele Bündchen sage, dass ich ihre Nase nicht passend und ihre Bein zu lang finde, dann liegt das daran, dass der Neidfaktor in der Tat extrem hoch ist und ich Ms. Perfect etwas herunterreden möchte. Die Vollkommenheit anderer Menschen ist manchmal nur zu etragen, indem man die kleinen Fehler, die jeder von uns hat, findet und ein, zwei, drei Nummern größer zaubert. Ich denke dieser Form des Lästerns wird vor allem dann häufiger zu finden sein, wenn eine Person nicht über die Reife verfügt, über seinen eigenen Fehlern zu stehen bzw. wenn diese Person mit sich selbst nicht im Reinen ist. Entweder man wächst irgendwann über sich hinaus und braucht solche Schmälerungen seines Umfeldes nicht mehr, oder man bleibt dabei, riskiert jedoch, sich dadurch unbeliebt zu machen. Denn auch, wenn eine geheime Bewunderung dahinter steckt, ist es dennoch nervig.

Lästern ist menschlich. Das beweist auch nie Wissenschaft. 40% der Gesprächsthemen sind über Dritte. Klatsch und Tratsch ist en Masse in den Zeitschriftenregalen zu finden.

Also:

Lästern an sich: Meiner Meinung nach OK, solange man Andere nicht unnötig verletzt. DISKRETION ist hier großgeschrieben.

Seid lieb zueinander!

XOXO

Linni

 

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Linda

In Bielefeld geboren, in Hong Kong aufgewachsen und nun in Düsseldorf und Zürich zu Hause. Ich singe für mein Leben gerne, schreibe, weil es der Seele gut tut und möchte vom Leben vor allem eines: Glücklich sein.

A wise person once said to me:

"Never let it be said that to dream is a waste of one's time. For dreams are our realities in waiting. In dreams, we plant the seeds of the future."

Keep on dreaming until dreams come true!

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