More!

Höher, schneller … mehr.

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Nein, es ist manchmal nicht so einfach, wenn man dazu neigt, alles bis zum Äußersten auszureizen. Wir haben kürzlich über das Thema „Gewalt“ diskutiert und haben es vor allem sehr bedauert, dass das Ausmaß an Gewalt, zu dem manche Menschen heutzutage bereit sind, so brutal und extrem ist … mit einem halbwegs gesunden Menschenverstand kann man das nicht nachvollziehen. Ich könnte gar nicht so böse und brutal denken. Liegt einer am Boden, so springt man ihm noch ins Gesicht. Früher habe ich an diesem Punkt stets ein Zitat eingeworfen: Gewalt hat es immer schon gegeben, heutzutage wird sie nur öfters im Fernsehen gezeigt. Das ist jedoch auch nicht mehr angebracht. Wir leben in einer Gesellschaft, in der sich anhand immer neuer Extremzustände gemessen wird. Das setzt die Menschen natürlich unter Druck. Man möchte neben seinen Mitmenschen bestehen können, mithalten können und sie im besten Fall sogar übertrumpfen können. Vor allem aber, möchte man über sich selbst hinauswachsen können.

Autos fahren immer schneller, Saucen werden immer schärfer, Schuhe werden höher, Hosen werden kürzer, Tattoos werden größer, Benzin wird teurer, das Internet schneller … ihr wisst, was ich meine. Das ist (so könnte man vermuten) ein ganz natürlicher Prozess, denn der Mensch neigt dazu sein Gegenüber stets übertreffen zu wollen. Nein?? Nein Danke! Rekorde aufzustellen – heimlich wäre darauf doch wirklich jeder ganz besonders stolz.

Einschub: Leider (und hier ist meiner Meinung nach eines der größten Versagen der Menschheit zu erkennen) haben wir auf unserer Welt sowohl extreme Armut, als auch extremen Wohlstand. Der eine kauft im Nobu für abertausende Pfund so viel Essen, man könnte Wochen lang davon leben, während die anderen nicht wissen, ob es für sie ein Morgen geben wird. So etwas hat es immer schon gegeben, ja sicher. Aber leider ist es eine sehr nüchterne und bedrückende Tatsache. Ich finde es jedoch auch nicht richtig, dass viele meinen, man müsse zunächst in der „3.Welt“ das Elend bekämpfen. Kennt ihr die Brennpunkte in Eurer Stadt? Wisst ihr, wie viel Elend auch auf heimischen Straßen zu sehen ist? Ich finde, dass man dort ansetzen sollte und dann den Rest der Welt verpflegen kann. Zu diesem Thema wird künftig etwas folgen. Aber nicht hier. Nicht jetzt. Es ist nur ein kleiner Teaser :)

Nun aber zu persönlichen Rekorden und dem Kennen und Erkennen der eigenen Grenzen: Ich will hoch hinaus. So hoch, wie nur möglich. Ich will mich selbst übertrumpfen, besser sein, als gestern und das Maximum aus mir herausholen. Doch manchmal sollte ich mit dem, was ich bislang erreicht habe für einen Moment länger zufrieden sein. Das andauernde Suchen nach dem Besseren kann nämlich einerseits sehr anstrengend und andererseits extrem frustrierend sein. Jeder Mensch hat ein Limit – ist dieses erreicht, so kann man das entweder als tollen (persönlichen) Erfolg, oder aber als bedrückend empfinden. Ein Limit stellt eine Grenze dar, die nicht so einfach zu überschreiten ist. Ich werde hektisch, sobald ich das Gefühl habe, in eine Situation komme, in der es ein wenig schwieriger wird vor allem meinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Mein Umfeld belächelt das öfters, denn ich neige dazu mir die banalsten Wehwehchen zuzuziehen. Erst vor drei Tagen habe ich mir ein wunderschönes Branding verpasst. Am Hals – mit dem Föhn. Ich war ungeduldig, wollte eine Frisur ausprobieren, die ich nicht hinbekommen habe (ich hätte 2 weitere Arme gebraucht) und dann wurde ich hektisch … Nun ja, das Branding wird verheilen, doch in Geduld muss ich mich noch üben.

Oooops....Aber nicht nur der Alltag besteht aus Extremen, auch die Reiseziele der Urlauber dieser Welt werden immer gefährlicher, banaler und aufregender. Tauchen mit Haien ist schon in der Schublade „langweilig und von gestern“. Heute besteigt man Kilometerhohe Berge, fährt mit dem U-Boot zum Wrack der Titanic oder schießt sich ins Weltall. Und das nennt man dann Urlaub? – Extremurlaub.

Warum macht man so etwas? Was sind denn die Motive für solche Extremurlaube? Für mich gibt es nur zwei Antworten auf dieser Frage: Gut betuchte Ältere Herrschaften wollen ihrer Langeweile trotzen oder spätpubertäre Jüngere müssen ihre Grenzen mal wieder ausreizen und endgültig ihre Identitätssuche abschließen.  Wer Glück hat, der ist bescheuert genug, eine so banale Reise auf sich zu nehmen, dass man tatsächlich „der Erste, der jemals …“ wird. Das ist das Prinzip Hase und Igel. Nun, das wird zunehmend schwieriger, der Mount Everest ist inzwischen häufiger bestiegen worden, als die meisten leicht bekleideten Mädels am Ballermann (ja, ciao Niveau) und auch die größten Weißen Haie haben keinen Hunger mehr. Also taucht man in weitere Tiefen und fliegt höher und höher, um bloß noch einen weißen Fleck auf der Weltkarte (oder Weltallkarte) zu erreichen. Geht eine solche Reise schief, so sind die Medien in Aufruhr! „Der tragische Unfall von XY … „. Versteht mich nicht falsch, ein jeder Verlust eines Menschen ist definitiv einer zu viel. Doch es gibt manche Situationen, in die sollte man sich einfach nicht begeben, wenn man an seinem Leben hängt.

Extreme

Quelle: Pinterest.

Also zurück zum Thema: Wer beim Fallschirmsprung nicht heile unten ankommt, der wusste aber vorher, dass der Spaß extrem gefährlich ist. Wer beim Bergsteigen abrutscht, der hat sein Leben an kleine Metallhaken gehängt, die nur mäßig fest in einer Bergwand gehämmert wurde. Solche Risiken kann, muss man aber nicht eingehen. Ich bleibe lieber auf dem Boden, tauche bis zu 20 Metern tief und fahre im Winter in die Berge. Das ist dann hoch und tief genug, um in absehbarer Zeit und mit absehbarem Risiko am Ende des Tages wieder heil‘ in meinem Bett anzukommen.

Boat

Ich glaube, ich bin nicht langweilig, was solche Sachen angeht. Achterbahnen sind immer willkommen, egal ob hoch oder schnell, Autos sind am besten, wenn sie viele viele schöne PS haben, ich liebe Sprünge von der obersten Etage des Bootes hinunter in ein (Hai-freies) Meer. Aber ich weiß zu jeder Zeit, woran ich bin und wie gefährlich die Situation ist, in die ich mich begebe. Bin ich im Meer – so genieße ich dieses mit Bedacht, es ist nicht „mein Gebiet“ ein jeder Fisch, ein jedes Seepferdchen und jeder Seeigel haben hier einen klaren Heimvorteil zu genießen. Es ist ihr Revier, ich bin Gast und halte mich an die Spielregeln. Dann passiert mir nichts, ihnen passiert nichts und alle sind glücklich.

Damit mir auch heute nichts passiert, werde ich nun mit Knieschonern und Handgelenkschutz eine Runde mit einen Inlinern drehen. Dann komme ich hoffentlich unversehrt wieder nach Hause und schreibe bald weitere Artikel über Dinge, die die Welt und mich bewegen. Have a great Saturday y’all! Stay safe!

Linda

In Bielefeld geboren, in Hong Kong aufgewachsen und nun in Düsseldorf und Zürich zu Hause. Ich singe für mein Leben gerne, schreibe, weil es der Seele gut tut und möchte vom Leben vor allem eines: Glücklich sein.

A wise person once said to me:

"Never let it be said that to dream is a waste of one's time. For dreams are our realities in waiting. In dreams, we plant the seeds of the future."

Keep on dreaming until dreams come true!

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