Leaving

Das aller letzte Mal

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Mir ist aufgefallen, dass vor Allem das ERSTE MAL besonders gehyped wird. Nein, ich beziehe mich hier nicht (nur) auf Sex. Es kann auf jede andere Situation übertragen werden. Das erste Schokoladenfondue, das erste mal Autofahren, das erste mal Alkohol, der erste Tag an einem neuen Urlaubsort … und so weiter. Vor einem jeden ersten Mal ist man ein wenig aufgeregt, denn man weiß ja nur übertragen, was einen erwartet. Sogar die erste Benutzung eines Dosenöffners kann sehr spannend sein, denn dreht man das Ding nun rechts oder links herum?

Beim ersten mal ist die Spannung vor allem der Faktor, der das ganze so besonders macht. Das Ungewisse, das neuartige. Oft weiß man jedoch beim ersten Mal nicht, ob einem gefällt, was einen erwartet. Learning by doing. Man muss es machen, um es zu wissen.

Am Anfang dachte ich ein solides BWL Studium sei doch eine gute Sache, nach einem Tag wusste ich, dass ich mich schleunigst umorientieren muss und nun studiere ich Medienwirtschaft. Aber vorher konnte ich das nicht wissen. Ich finde, es ist kein Fauxpas, wenn man etwas ausprobiert und dann ehrlich zu sich selbst ist, indem man entscheidet, dass man evt. zukünftig einen anderen Weg einschlagen soll.

Also fasse ich zusammen: Das erste Mal ist besonders, aber meistens noch durch mangelnde Erfahrung geprägt. Wenn ich dem Gedankengang nun bis zum Ende folge, so lande ich logischerweise beim aller letzten Mal. Das letzte Mal ist doch mindestens genauso besonders, wie das erste Mal. Wenn nicht sogar noch intensiver. Manchmal natürlich traurig und emotional, da nun der Faktor des Vermissens eine Rolle spielt, aber beim letzten Mal ist man doch einige Schritte weiter und weiser, als am Anfang.

Folgende Situation: Man sitzt gemütlich vorm Kamin, den Partner im Arm, der Hund schläft am Fußende, das Feuer flackert sanft, eine Flasche des Lieblingsrotweins steht auf dem Beistelltisch. Dann sieht man es – der letzte Schluck steht nun bevor. Danach ist er leer, es war ein Vintage-Wein, leider wird es keinen mehr geben. Diesen allerletzten Schluck lässt man doch auf der Zunge rollen und genießt ihn bis er im Rachen (ganz sanft und leise) verschwindet. Danach schmeckt man noch das Bouquet, dass er am Gaumen hinterlassen hat. Schade, nun ist es vorbei, aber schön war’s doch.

Wenn ihr wüsstet, dass ihr morgen das aller letzte Mal in eurem Leben Schokolade essen dürftet, weil diese danach weltweit aufgegessen wurde, dann würdet ihr doch sicherlich ebenfalls sehr viel dafür geben, noch eine Tafel der Lieblingschoki zu bekommen, oder nicht? Oder denkt einmal an die letzte Seite eines spannenden Buches. Manchmal lese ich sie zwei Mal. Und stellt Euch nun vor ihr dürftet das letzte Mal in Eurem Leben Zärtlichkeiten austauschen … wie unglaublich emotional wäre das denn?  Ihr wisst ganz genau, was Euch gefällt, was ihr liebt, was ihr begehrt – natürlich wollt ihr dann nur das. Ihr genießt alles so intensiv, wie selten zuvor, schließlich gibt es kein „nächstes Mal“. Das letzte Mal muss also nicht nur traurig sein. Es kann auch das schönste Mal sein. Und wenn es am schönsten ist, soll man doch aufhören …

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Ich hasse Abschiede, die setzen mich immer unter Druck, vor allem deshalb, weil ich die letzten Momente extrem schön und intensiv genießen will. Dadurch wirkt vieles jedoch verkrampft, denn Trauer nagt an mir. So geht es mir jedes Mal, wenn ein Goodbye ansteht. Zum Glück sind die meisten Abschiede nur ein „Bis bald!“. Der letzte Tag im Urlaub ist trostlos. Meistens ist es ohnehin nur ein halber. Wir planen unsere „das letzte Mal in diesem Urlaub“ Abende also immer schon kurz vor dem eigentlichen Ende des Urlaubs ein. Dann steht man nicht so unter Druck, man hat nicht den „Morgen ist alles vorbei“ Gedanken im Kopf und kann sich locker machen.

Das letzte Mal kann also Fluch und Segen sein. Der Horror, wenn man weiß, dass man jemandem das aller letzte Mal in die Augen schauen dürfte. Aber ich würde mir jede Faser, jede Verfärbung, jeden Glanz ganz tief einprägen und hoffen, dass man von schönen Erinnerungen zehren kann.

Weil ich weiß, dass dieses nicht der letzte Eintrag sein wird, kann ich beruhigt sagen, dass ich Euch nun mit dem Gedanken erstmal alleine lasse.  Das Leben ist doch ein ewiges Kommen und Gehen.  Findet ihr das letzte Mal schön? Oder habt ihr Angst davor? Nicht zu morbid denken, manche Dinge sollen nicht für die Ewigkeit sein. Manche Dinge sind dafür gemacht, irgendwann vorbei zu sein. Das macht sie besonders. Denkt mal an special Edition Louboutins … na Mädels? Sieht die Welt schon wieder bunter aus?

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Linda

In Bielefeld geboren, in Hong Kong aufgewachsen und nun in Düsseldorf und Zürich zu Hause. Ich singe für mein Leben gerne, schreibe, weil es der Seele gut tut und möchte vom Leben vor allem eines: Glücklich sein.

A wise person once said to me:

"Never let it be said that to dream is a waste of one's time. For dreams are our realities in waiting. In dreams, we plant the seeds of the future."

Keep on dreaming until dreams come true!

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