549647_10150709243475053_1247446242_n

70 Jahre Opapa Götz

Die frühste Erinnerung an meinen Opa Götz? Nun, da muss ich weit zurück. Sehr weit zurück. Ich lande dann auf einer Pferdekoppel direkt hinter dem Haus meiner Großeltern, es ist ein spätsommerlicher Abend, der Himmel wird ganz ganz langsam dunkler. Opa baut einen gekonnten Holzhaufen auf  eine zuvor durch Blumenerde präparierte Feuerstelle und mein Bruder Louis fragt im 30-Sekunden-Takt: „Opa, Feuer, Ja?“. Wir waren damals vermutlich knapp 3 (Louis) und 6 (ich). Dann loderten die Flammen, wir kuschelten uns in Decken davor, Oma hat uns Schwarzbrot mit Philadelphia UND Gouda gebracht und Opa fing an uns die Geschichte von der schrecklichen Hexe KauKau zu erzählen, die sich im Gartenhäuschen eingenistet hat. Viele Jahre später kam dann erst die Erkenntnis, dass die Geschichte nur ein kluger Vorwand war, um uns Kinder von den gefährlichen Gartengeräten fernzuhalten.

549647_10150709243475053_1247446242_n

Springen wir nun ein paar Jahre weiter nach vorne, so erinnere ich mich nur zu gerne an die vermutlich intensivste und schmutzigste Schlammschlacht meines Lebens. Nach einem zunächst harmlosen Spaziergang über Wiesen und Felder, wurde Opa vom Hafer gestochen und so schubste er zuerst mich, dann meinen kleinen Bruder in einen (nicht tiefen, aber sehr mockigen) Tümpel kurz vor dem rettenden Wegrand. Dann rutschte er selbst hinterher. Es folgten nun Köpper in braune Tonerde und andauernd klatschte eine neue Portion Schlamm entweder in eines der drei Gesichter oder gegen den Hinterkopf des Gegenübers. Oma – sie wusste nicht ob sie bei unserem Anblick lachen oder weinen sollte – zückte ganz pragmatisch den Gartenschlauch und spritzte uns von oben bis unten mit einem kalten Wasserstrahl ab. Blitzeblank und hundemüde fielen wir in ihre kuscheligen Daunenkissen.

Wieder ein paar Jahre später erinnere ich mich an einen Ausflug auf eine Kirmes irgendwo in der Nähe von Köln. Nur Opa und ich. Das Karussell drehte sich, es überschlug sich, der Drehwurm war perfekt und Opa lag drei Tage im Bett. Natürlich war es kein Virus, sondern einzig und allein Schuld der Schausteller, die ihr Karussell einfach viel zu schnell eingestellt haben.

16933_239124155052_5157815_n

Ich erinnere mich an lange Spaziergänge durch verwunschene Wälder, in denen mir zum heulen zu Mute war, da meine Welt scheinbar kurz vor dem Zusammenbruch stand. Opa fand und findet auch heute noch stets die richtigen Worte. „Alles wird gut!“ – das sagte er mir. Er hat Recht. Es wird auch alles gut. Oft ganz anders, als erwartet, aber am Ende immer gut.

De Hüng

Dann erinnere ich mich an Opas erstes Sushierlebnis, bei dem er schmerzhaft lernen musste, dass man Wasabi nicht in einem Happen in den Mund nimmt. Ich erinnere mich an bange Stunden, als er sich in den Bergen Hong Kongs verirrte und erst nach Sonnenuntergang wieder bei uns ankam. Ich liebe den zärtlichen Spitznamen „Pixelchen“, dem er seiner Enkelin verliehen hat, als sich diese im fernen Asien ganz klein und zerbrechlich fühlte. Ich freue mich alljährlich auf eine vorweihnachtliche Shoppingtour, während der in alter Tradition neue Düfte für die Familie eingekauft werden.

Mein erstes Auto suchten wir gemeinsam aus, dann setzte ich ihm ein paar Jahre später den Flausen eines Mercedessterns in den Kopf. Mein erstes Tempo 300km/h Erlebnis geht auch auf seine Kappe (nicht aufregen Papa, ist lange her, ist verjährt). Gefühlte 300000 Tankfüllungen gingen auf ihn (aber Opa, ich würde auch so immer und immer wieder den Weg zu Euch antreten).

Als du uns einmal einen Schrecken eingejagt hast, es dir nicht so gut ging, bat mein kleiner Bruder dich ans Telefon: Opa, du sagst ich solle mir keine Sorgen um Dich machen!? Sing erst dein Lied, dann glaube ich Dir! – Wie aus der Pistole geschossen kam dann „Tutti Frutti“ von Little Richard. -Alles wird gut Opa, jetzt glaube ich dir!

Er hat die Haare am schönsten, trägt Hemd und Schlips wie kein anderer. Wenn er seine „Elvis-Minuten“ hat, dann meint man „DER KING LEBT!“. Dazu hat er ein Herz für Tiere, ein noch größeres für seine Familie.

Er ist für mich mehr, als „nur “ ein Opa. Er ist für mich ein Freund, ein Berater, ein treuer Begleiter, die Rettung in der Not, ein Vater. Wow, ich bin ein so gesegnetes Mädchen, dass ich einen Mann wie Opapa Götz in meinem Leben haben darf. Heute wird er 70 Jahre alt. 70. Glaubt ihm keiner. Warum nicht? Na- Bilder sagen mehr, als tausend Worte. So sieht man nicht mit 70 aus!

1948202_10151678560923078_1897601806_n

HAPPY BIRTHDAY OPAPA! ICH LIEBE DICH SO SO SO SEHR UND FREUE MICH AUF WEITERE MOMENTE, DIE ICH NIEMALS VERGESSEN WERDE!

Tags:, , , ,

Linda

In Bielefeld geboren, in Hong Kong aufgewachsen und nun in Düsseldorf und Zürich zu Hause. Ich singe für mein Leben gerne, schreibe, weil es der Seele gut tut und möchte vom Leben vor allem eines: Glücklich sein.

A wise person once said to me:

"Never let it be said that to dream is a waste of one's time. For dreams are our realities in waiting. In dreams, we plant the seeds of the future."

Keep on dreaming until dreams come true!

Date?

März 2014
M D M D F S S
« Feb   Apr »
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
31  
  • IMG_1620_Fotor

  • cloud

Love