Leben und leben lassen

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Ich bin kein Freund von Schubladendenken und Vorurteilen. Ich mag keine Stigmata und bin dafür, das sich jeder frei entfalten sollte. Ich finde, dass jeder das Recht hat zu lieben, wen oder was er will, solange dadurch niemand zu Schaden kommt.  Ich gönne jedem seinen Glauben und sei es der Glaube an sich selbst. Jeder, der ohne böse Absichten sein Leben führt, hat in unserer Gesellschaft seine Berechtigung. Nur zu gern wiederhole ich mich: Leben und leben lassen. Sonst läuft die Welt nicht rund. Sonst sind wir alle uniform und langweilig, weniger exotisch, dafür umso mehr so, wie alle sind. Trist klingt diese Vorstellung. Bitte, schöne Welt, bleibe so kunterbunt, wie wir dich kennen und lieben.

Dennoch gibt es ein paar Typen da draußen, die sich dieser liberalen Denkweise einfach nicht anschließen wollen. May I introduce? (Beruht allein auf meinen subjektiven Erfahrungen – Ich sag’s wie die Lottofee: Alle Angaben ohne Gewähr 😉 )

Typ 1 : Der In-Den-Bart-Brabbler

Er ist zynisch, grimmig und feige. Denn der in den Bart brabbler richtet seinen Hohn nicht direkt an dich, sondern nur so „husch husch mal eben“ im vorbeigehen. Man versteht nur Wortfetzen, die aber in der Regel aussagekräftig genug sind, um die Botschaft zu übermitteln. Auf ein „Sag’s doch ruhig laut“ gucken sie dann ganz betroffen, als seien sie sich mit reinster Weste keiner Schuld bewusst. Hier hilft nur ein dickes Fell und darüber hinwegzuschauen.

Typ 2: Die frustrierten Rentner

Damit meine ich nicht die niedliche Omi, die immernoch nicht versteht, was denn dieses „Internet“ ist. Sondern diejenigen, die nicht wissen wohin mit sich, da sie sich im Laufe ihres Lebens kein Hobby zugelegt haben, dass sie bis ins hohe Alter hin verfolgen können. Die schimpfen dann über die Jugend von heute, betonen, dass früher alles besser gewesen sei und finden grundsätzlich jeden neuen, innovativen Denkanstoß inakzeptabel. Sie fühlen sich heimlich wohl in ihrer vermeintlich „elenden“ Position und sollten genauso wie Typ 1 einfach durch Nettigkeit geschlagen werden.

Typ 3: Die Gaffer

Gemeint sind nicht Männer, die sich nicht beherrschen können und dem eindeutig schöneren Geschlecht alleine durch die Steuerung seitens ihres Hormonhaushaltes auf den Allerwertesten gucken müssen. Die gaffen auch. Aber anders. Harmloser. Ohhhh, die richtigen Gaffer nerven ganz besonders. Nicht nur deshalb, weil sie mit dem meist offenem Mund und aufgerissenen Augen aussehen, wie eine Witzfigur ihrer selbst, sondern auch deshalb, weil sie dabei so herrlich indiskret sind. Die Gaffer sind immer und überall. Sie gaffen aus den verschiedensten Gründen. Gaffer sind vor allem auf der Autobahn ein purer Horror. Denn durch sie entsteht auf meiner Spur ein Stau, wenn es im Gegenverkehr geknallt hat. Gaffer sind einer triebgesteuerten Sensationslust ausgesetzt und die Synapsen verschalten sich im Sekundentakt, wenn sie ein zu begaffendes Objekt ins Visier genommen haben.  Als Kind habe ich gelernt nicht zu gaffen, ich schaue auch nicht hin, wenn im Restaurant ein Glas auf den Boden fällt. Das hilft doch nichts. Der Beteiligte fühlt sich doch nur noch weniger wohl, denn offensichtlich ist ihm die Situation peinlich.

Typ 4: Der Neider

Seine Farbe ist Grün und er kann schmerzhafte Hiebe verpassen: Der Neidhammel tastet stets ab, ob irgendwer in seinem Umfeld einen Vorteil ihm gegenüber haben könnte. Sei dieser materiell, oder auf anderer Ebene, es setzt ihm so sehr zu, dass er den vermeintlichen Nachteil durch Bissigkeiten zu überspielen versucht und somit scharf austeilt. Neider Leben davon andere in umkomfortable Situationen rücken zu wollen. Sie versuchen einen herabzuwerten. Anhand deiner vermeintlichen Fehler werten sie sich selbst auf. Den Neider muss man ebenfalls mit einer extra Portion Freundlichkeit schlagen. Lächeln – Nicken – Sein übriges denken. Wer kann schon jemanden nicht mögen, der einem so freundlich gegenübertritt?

Typ 5: Der Ordnungsfaschist

Mit diesem Typus habe ich es in meiner ostwestfälischen Heimat häufiger zu tun. Zuletzt im Supermarkt, als ich es wagte meine Mutter per Handy zu kontaktieren und eine Auskunft bezüglich der Zusammensetzung eines Rezepts erfragte, das ich nachkochen wollte. Neben mir stand eine Dame, einen halben Kopf kleiner als ich, rothaarig, in fleischwurstfarbener Hose. Dazu selbstgefilzte Accessoires und papageienblauer Lidschatten. Sie schnaubte ein, zwei mal wie eine trächtige Kuh, doch ich fühlte mich nicht angesprochen – ich dachte die Arme hätte eine Form von Torett, die sie über die Atemwege bemerkbar macht. Nach 3 Minuten des nervigen neben mir Stehens dann die Ansage: Hören sie mal, ich fühle mich von ihrem inakzeptablen Kommunikationsverhalten auf’s äußerste gestört. Legen sie endlich das Telefon weg!!! – Normalerweise habe ich immer einen Konter auf den Lippen, doch der wäre in diesem Falle vermutlich in einer Sprache ausgefallen, die ich nicht gerne in den Mund nehme. Somit habe ich’s mir verkniffen, sie mit meinem feinsten Joker-Lächeln angegrinst und sagte:  Oh, wie schön ist Bielefeld.

Der Ordnungsfaschist ist auch derjenige, der die wertvollen Sekunden seiner Lebzeit damit verschwendet, kleine Post-It Notizen an Falschparker zu schreiben und diese dann an die Windschutzscheibe zu kleben. Würde ich mir ernsthaft dafür die Zeit nehmen, dann kämme nicht mehr auf den Zettel, als: „Sie parken scheiße.“ Wozu mehr Worte, als nötig benutzen?

Doch Achtung – dünnes Eis! Denn sobald man es mit einer form des cholerischen Ordnungsfaschisten zu tun hat, könnte es für die kleinsten Banalitäten eine Anzeige geben. Nach einer 5-Minütigen Wartezeit, in der mein Auto in der Einfahrt eines entfernten Nachbars stand (ich saß im Auto, hätte demnach zu jeder Zeit wegfahren und den Weg räumen können) kam drei Wochen später und per Einschreiben ein Brief des Ordnungsamtes: Angezeigt. Wegen Behinderung. (Zumindest hier die Einsicht, dass der gute Herr einer Benachteiligung ausgesetzt ist). Logisch, dass für mein „Vergehen“ nun 50€ in die Stadtkasse fließt. Ein sehr plausibler Zusammenhang.

Typ 6: Der notorische Lügner

Man hüte sich bloß vor diesem Typus, denn die Gefahr liegt darin, dass sein persönlicher Dachschaden von seinem Umfeld (im schlimmsten Fall auch von eurem Umfeld) nicht als solcher erkannt und seinen Falschmeldungen trotz gänzlicher Unwahrheit Glauben geschenkt wird.

Der notorische Lügner hat eine ganz gefährliche Waffe stets bei sich: Seine Phantasie. Je blühender, desto gefährlicher. Da kommen dann so Stories bei rum, wie: Linda ist schwanger. Von zwei Männern. Gleichzeitig. – Danke, ich vertrage einfach nur keine Laktose.


Unterm Strich: Lächeln, nicken, Arschloch denken. Das ärgert sie am meisten.

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Linda

In Bielefeld geboren, in Hong Kong aufgewachsen und nun in Düsseldorf und Zürich zu Hause. Ich singe für mein Leben gerne, schreibe, weil es der Seele gut tut und möchte vom Leben vor allem eines: Glücklich sein.

A wise person once said to me:

"Never let it be said that to dream is a waste of one's time. For dreams are our realities in waiting. In dreams, we plant the seeds of the future."

Keep on dreaming until dreams come true!

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