London – Here we go again!

Bonkers

Eine Reise nach London ist vor Allem immer eines: Reizüberflutend. Gar nicht so einfach, hier bei klarem Verstand zu bleiben! Den einen oder anderen erwischt der Wahnsinn dann doch. Dafür haben die Briten auch ein Wort: BONKERS.

Ich kann es verstehen! Die größte Stadt Europas ist für mich nicht nur aufgrund demo- und geographischer Zahlen die GRÖßTE! Ich bin stets in einem wahren Rausch, wenn die Maschine am Heathrow Airport landet. Wohlwissend jedoch, dass Ruhe und Schlaf nicht so wirklich auf dem Plan der nächsten Tage stehen. Diese Reise trägt sogar einen Namen: LOUIS TOURS. Eine süße Idee meines Herrn Papa, der anlässlich des runden Geburtstages meines Bruder die ganze Baggage eingeladen hat. Die Männer der Reisgruppe müssen vor allem eines mitbringen – Eine Menge Geduld. Denn „Every moment in London is a good photo opportunityt“ – Ohje…

MEWSDAY

London ist für mich, wie damals auch Hong Kong, eine Art Disneyland für Erwachsene. Hier dürfen kleine Jungs große Autos fahren, kleine Mädchen sich mit Prinzessinnenklunkern behängen, hier muss man nie schlafen, alle sind nett, wenn man das nötige Kleingeld hat und auf den Geldscheinen ist eine Königin abgebildet. Für meinen Geschmack schreibe ich in diesem Artikel zu häufig über das Phänomen „Geld“ – doch seien wir mal ehrlich. In London geht es vor allem darum. Einzig die Kreativen in East-London leben in ihrer eigenen Sphäre und fühlen sich dort auch sehr wohl. Doch überall anders werden die Dinge nach dem Preisschild bewertet. Nun darf jeder für sich entscheiden, wie gut oder schlecht man das findet.


Dining:

Der wohl häufigste Satz in der letzten Woche: „Sorry, it’s the last order!“. London, was ist denn da los? Drängt doch eure armen Gäste nicht so sehr, sich innerst Rekordzeiten die Bäuche vollzuschlagen? Wenn mir eines negatives aufgefallen ist – ich verfahre nach dem Prinzip „die schlechten Nachrichten zuerst“ – dann, dass das Personal in Restaurant und Bars extrem darauf gedrillt ist, die Kunden schnell und möglichst lukrativ abzufertigen. Schade finde ich das. Der Stimmung kommt es nicht zu Gute, alle zwei Minuten genervt zu werden, da wieder eine weitere fiktive Frist zu verstreichen scheint.

Auf der anderen Seite habe ich lange nicht mehr qualitativ so genial gegessen, wie hier. Meine Nummer eins ist und bleibt die asiatische Küche im Novikov.

NovikovFood

Es gab Grund zum Feiern (Bruderherz wurde 20), daher die edle Auswahl: Tagesfrischer Hummer vom Grill, Foie Gras auf Tortilla mit Rinderfilet, Fatty Tuna Sashimi, Jakobsmuschel-Sashimi mit Trüffelmayo, Blattsalate mit Avocado und Trüffel, gedünstetes Gemüse und fangfrische Miesmuscheln im Spezialsud

Neu war für mich das Coya – eine peruanische Fusionsküche, die direkt auf Rang zwei der Gastro-Erlebnisse der letzten Tage liegt. Von der Ceviche träume ich jetzt noch. Der Quinoasalat mit Granatäpfeln wird direkt nachgemacht! Hier war das Personal übrigens super freundlich, hat uns ganz in Ruhe jedes Gericht erklärt und auch ganz entspannt nacheinander die Gerichte gebracht.

Im Maze Grill von Starkoch Gordon Ramsey (Tim Mälzer Pendant aus den UK) gab es ein grandioses Steak! Das Ambiente ist jedoch nicht so szenig wie in den anderen Lokalen und ich weiß nicht, ob das Erlebnis im Verhältnis zum Preis steht.

Szenige Location mit schlechtem Essen gibt es im Sketch Gallery-Room. Einzig die abgefahrenen Toiletten und das schöne Porzellan trösten über das schlechte kulinarische Erlebnis hinweg. Und vielleicht die Bar, die leckere Drinks im sehr coolen Ambiente liefert. Angucken – JA. Drinks – Unbedingt. Essen – Woanders.

Das Essen im Zuma war natürlich wie immer gut, doch das Ambiente ist nicht mehr cool. Leider überholt. Wer bereit ist, sich etwas Gutes zu tun, der sollte alternativ definitiv ins Coya gehen!

Mittags habe ich mich in die Harrods Foodhall verliebt. Nicht nur, weil diese 1 Minute per Fußweg von unserem Hotel entfernt liegt, sondern vor allem, weil es NICHTS aber auch wirklich NICHTS gibt, was man hier nicht bekommen könnte. Als eingefleischtes Kaninchen rief die Salatbar natürlich meinen Namen – Wen wundert’s? 😉

Doch das Laduree (Genau, das französische Macaron-Haus) lädt mittags ebenfalls zu einem tollen Lunch ein (Das Restaurant is ebenfalls Teil der Harrods Immobilie). Hier gibt es für den großen oder kleinen Hunger eine Auswahl! Und zum Espresso noch ein Macaron? Wer will nochmal, wer hat noch nicht?

Bei gutem Wetter ist mein Liebling zu Mittag der Chelsea Farmers Market – Rustikal, nicht überkandidelt und doch 100% ein Erlebnis. Es verlockt sogar zum ersten Gläschen Wein am Mittag! Und danach shoppt es sich bekanntlich besser 😉


Party:

Zugegeben: Man kann an kaum einem anderen Ort so gut feiern, wie in London. Wenn man denn bereit ist, für einen Drink so viel zu zahlen, wie anderswo für eine ganze Flasche. Ganz umsonst wird man mit Hip-Hop Hymnen, wie zum Beispiel Drakes „0-t0-100“ zugedröhnt, wenn ein kleiner Mann mit Geltungsbedürfnis mal wieder eine Champagnerparade startet. Witzig finde ich in diesem Ambiente von Söhnchen die Textzeile „I used to dream about the life I’m living now!“.  Wenn man den klischeegetreuen, übereifrigen Flaschenbesteller dann mal fragt,  seit wann er denn den sozialschwachen Staus hinter sich gelassen habe, da er doch in den Wohlstand geboren sei, dann kommt in der Regel keine Antwort. Höchstens noch mehr Champagner. Ich gönne ihnen all ihr Glück. Von Herzen. Nur die Songauswahl, die möchte ich so nicht stehen lassen. Das macht für mich keinen Sinn.

Sorry, ich stelle meine zynischen Bemerkungen an dieser Stelle ein.

Ich war nicht so in der Disco-Laune. Das ist überall auf der Welt doch das gleich. Schlechte Luft, die selbe Musik (in den Mainstream Läden), Männer, die zu viel Geld ausgeben und Frauen, die das extrem geil finden. Solche Frauen nennt man übrigens – so habe ich gelernt – Thots. „You can’t trust thots!“. Ab und an ist der Zirkus witzig, doch nicht krampfhaft und an jedem Abend. Der Halloween-Freitag war etwas besonderes. Wir haben ihn im Cuckoo verbracht. Da war alles sensationell geschmückt und wirklich JEDER war verkleidet, denn: „No costume – No entry!“. Die Türpolitik stimmt! Muffel sollen an dem Abend doch einfach zu Hause bleiben.

Vamps

Das Bodo’s Schloss war auch ganz witzig, eine Skihütte mitten in London.

Alternativ sitze ich lieber noch in einer coolen Bar, unterhalte mich gut, im Idealfall wird da dann auch noch getanzt. Von einem solchen Abend hat jeder am Ende doch viel mehr: Geld in der Tasche, Gesprächsinput im Kopf und Sauerstoff in den Lungen.


Shopping:

Last but not least – Mein Spezialgebiet (Ja, Schande über mein Haupt). Hätte ich einen Tag lang ein unbegrenztes Budget – Ich würde Amok laufen. London ist für mich noch besser, als New York und auch besser als Paris, wenn es darum geht, Modeherzen höher schlagen zu lassen.

Die Klassiker: Kaufhäuser a la Harrods, Selfridges und Harvey Nichols. Für Harrods kann man sich zum Beispiel einen ganzen Tag nehmen, an dem ohnehin schlechtes Wetter ist. Denn man kann ohne Probleme mehrere Stunden hier verbringen. Von Kuriositäten bis zu High Fashion für Sie, Ihn und die Kleinen. ALLES da. Selfridges ist nicht ganz so groß, aber doch vergleichbar. Harvey Nichols ist das kleinste der drei, besticht jedoch durch eine sehr gut selektierte Auswahl vor allem an Contemporary Fashion.

Die Bond Street (Und New Bond Street): Mayfair ist wunderschön und vor allem fußläufig zu bestreiten. Hier hat jeder Designer eine große Boutique, Victoria’s Secret ist um die Ecke und in den Mayfair Mews kann man wunderbar zu Mittag essen.

Die Sloane Street: Wer namhafte Designer aneinander gereiht finden möchte – HIERHIN!

Dover Street Market: Für mich das Colette Londons. Hier gibt es Limited Edition Sneakers und jede Menge einzigartige Sonderkollektionen.

Notting Hill: I love Matches Fashion. Sehr sogar. Doch Notting hill ist besonders schön, da hier fast ein vorstädtisches Gefühl aufkommt. Kleine Boutiquen, kleine Cafes (Ich liebe Otto Lenghi) und jede Menge kreative Menschen! Unbedingt auch in den großen Joseph Store.

Fulham Road: Wo Knightsbridge aufhört, beginnt Fulham. Hier findet man die ganze schöne Boutiquenvielfalt gleich nochmals. Das ist ja das gute (oder schlechte?) an London – es gibt alles in 8-facher Ausführung!

Harvey Nix


Fazit: In jeder Stadt, in die ich reisen darf, stelle ich mir die Frage danach, ob ich hier wohnen könnte. Ich war lange Zeit der festen Überzeugung für immer in London leben zu wollen. Zumindest solange, bis ich mich beruhigt habe, Haus, Kind und Kegel habe werde. Wenn es dann wieder kurz vor einem tatsächlichen Umzug stand, kommt dann dieses komische Gefühl in mir hoch. Ich habe Angst, dass die Stadt einen Menschen verändert. Dass sie einen aufrisst. Ich  bin ein Großstadtkind, habe keine Angst, hier nicht bestehen zu können, doch manche Dinge sind vor allem so grandios, weil man sie nicht immer haben kann. Vielleicht ist es mit London genauso. Dürfte ich über ein unbegrenztes Budget verfügen, so würde ich einen Zweitwohnsitz in London bereits ab Morgen einrichten. Doch dann würde ich immer, wenn mir die Stadt zu groß, zu laut und zu schrill ist in meine kleine Stadt am Rhein zurückkehren. Um zu atmen, um zu leben, um zu sein. Wobei … ich bin 22. Natürlich könnte ich in London wohnen 😉


Und nun noch ein ganz großes DANKE an diejenigen, die diesen Trip möglich gemacht haben: Mom and Dad! Ihr seid und bleibt für mich die Größten <3

Mamapapa

Linda

In Bielefeld geboren, in Hong Kong aufgewachsen und nun in Düsseldorf und Zürich zu Hause. Ich singe für mein Leben gerne, schreibe, weil es der Seele gut tut und möchte vom Leben vor allem eines: Glücklich sein.

A wise person once said to me:

"Never let it be said that to dream is a waste of one's time. For dreams are our realities in waiting. In dreams, we plant the seeds of the future."

Keep on dreaming until dreams come true!

Date?

November 2014
M D M D F S S
« Okt   Jun »
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
  • IMG_1620_Fotor

  • cloud

Love