WhatsApp? Gerne, aber nicht jetzt!

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Heute widme ich meine Aufmerksamkeit einem inzwischen omnipräsenten Kommunikationsmedium des „Hier und Jetzt“ oder vielmehr der „Digital Natives“ (Yes, packt euch alle nun an die Nase):

WhatsApp

Nein, dieses werde ich nicht löschen. Dann wäre der nächste Schritt ja, auf die Kommunikation via Rauchzeichen und Brieftauben umzusteigen 😉

Vielmehr geht es mir um den Umgang damit. Es geht meistens um die Art und Weise, oder inwieweit man solche Plattformen an seinem Leben teilhaben lässt. Das ist wie die Frage, ob man den Hund Spazieren führt oder ob der Hund mit dir spazieren geht.

Ich bin der Typ, der am liebsten allen sofort zurückschreiben möchte, dann aber im ECHTEN LEBEN eine Aufgabe findet, sich dieser widmet und darüber vergisst, dass da doch noch eine Nachricht (die im schlimmsten Fall schon mit zwei blauen Haken versehen wurde und somit als „gelesen“ gilt) darauf wartet beantwortet zu werden. Das entdecke ich dann meistens, wenn meine Isi schimpft: „Lindaaaaa, da sind noch 8 ungelesene Nachrichten, das ist doch gemein.“

Schuldbewusst sauge ich mir dann eine Entschuldigung aus den Fingern (die ich dann auch so meine, naja, meistens) und tippe brav zurück.

Aber nun stelle ich mir die Frage: Muss ich wirklich immer SOFORT auf ALLES antworten? Ich hatte bislang zum Glück keine Situation in der meine Antwort über Leben und Tod entscheiden musste (das darf dann „Bitte, Dankeschön“ auch so bleiben!). Wenn es wichtig war, habe ich geantwortet oder wir haben sowieso lieber darüber telefoniert. Muss ich mich dem Druck denn aussetzen? NEIN.

Es hat niemand etwas davon, wenn halbherzig ein paar Zeilen getippt werden, nur um danach zu sagen „na immerhin habe ich geantwortet“. Das ist genauso belanglos, wie es wäre keine Antwort zu erhalten. Vielmehr gilt hier: „Alles zu seiner Zeit und Gemäß seiner Priorität“.

Sorry, aber ein „Ich hab dich lieb, Mama“ trumpft für mich immer über ein „Hey, ja Danke, mir gehts gut. Hoffe dir auch?“, also belangloser Smalltalk. Wenn man ein gesundes Realitätsbewusstsein und ein einigermaßen funktionierendes Taktgefühl im Bezug auf zwischenmenschliche Beziehungen hat, dann erkennt man doch schnell, wie man seine Prioritäten zu setzen hat. Dennoch fällt das manchmal schwer, da das, was wir fühlen bzw. tun wollen häufig gegen das spricht, was uns beigebracht wurde und wir aus reiner Höflichkeit gerne ausführen würden. Wir sind klassisch konditioniert worden. Mit den Grundsätzen in etwa so:

Wenn jemand schreibt, dann muss ich zurückschreiben. 

Wenn jemand anfängt zu reden, dann müssen wir ein Gespräch führen. 

AKTION – GEZWUNGENERMAßEN REAKTION

Und das obwohl wir vielleicht gerade zu müde sind, um uns lange zu unterhalten, Kopfschmerzen haben, wenn wir auf das Display schauen (passiert mir wirklich häufiger), oder einfach keine Kraft und Lust aufbringen können, uns involvieren zu lassen. Wir antworten dennoch. Krampfhaft, gezwungenermaßen. Wir wollen auf keinen Fall den Stempel „unhöflich“ aufgedrückt bekommen. Ist doch so, oder?

Dann bin ich – leider keine Ahnung mehr wo – über den Satz gestolpert: „Du schuldest niemandem eine Korrespondenz“. Und wisst ihr was? Es stimmt.

Ich habe eine gute Erziehung genossen, ich schicke Danksagungen, wenn diese angebracht sind, ich bleibe gerne mit meinen freunden in Kontakt und doch höre ich auf meine Intuition und setze mir Grenzen für mein Kommunikationsverhalten. Warum? Da mir meine Zeit etwas wert is. Zeit, die ich abseits von Bildschirmen und Smartphones verbringe. Zeit, die ich mit multidimensional zu erfassenden Inhalten fülle. Zeit in der mein Essen dampft und duftet, in der ich vor Lachen fast vom Barhocker falle, Zeit in der ich in aller Herrgottsruhe ein Photoalbum mit echten und ausgedruckten Bildern fülle und Zeit, in der ich meine Briefe per Hand schreibe. Und glaubt mir, ich nehme mir auch die Zeit zurückzuschreiben, wenn mir jemand am Herzen liegt.

Es soll ja niemand verletzt werden, es soll nicht arrogant, ignorant oder desinteressiert wirken. Meine Liebsten wissen, dass es manchmal das beste Zeichen ist, nichts von mir zu hören. Denn dann bin ich in dem Augenblick gerade glücklich in meinem Alltag und muss mich nicht in virtuelle Welten flüchten. Auf dem Heimweg, zum Beispiel am Flughafen, da freue ich mich dann darauf, von meinem Wochenende berichten zu können. Da hagelt es Antworten und eine Zeitverzögerung von knapp 48Std. vom Senden zum Empfangen bedeutet nicht, dass eine Freundschaft auf der Kippe steht. Denn eine Freundschaft bedingt nicht, dass man 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche und 365 Tage im Jahr erreichbar ist (Notfälle ausgenommen).

Für mich gilt: Lieber „irgendwann“ dann authentisch oder gar von Herzen, als „immer sofort“, dafür aber belanglos und nichtig. Oder wie seht ihr das?

Übrigens: Dasselbe gilt für iMessenger, Facebook Messenger, Emails und sämtliche anderen Kommunikationsplattformen.  

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Linda

In Bielefeld geboren, in Hong Kong aufgewachsen und nun in Düsseldorf und Zürich zu Hause. Ich singe für mein Leben gerne, schreibe, weil es der Seele gut tut und möchte vom Leben vor allem eines: Glücklich sein.

A wise person once said to me:

"Never let it be said that to dream is a waste of one's time. For dreams are our realities in waiting. In dreams, we plant the seeds of the future."

Keep on dreaming until dreams come true!

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