Muss man jeden Menschen mögen?

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Ok Seelenstriptease: Kennt ihr das, wenn ihr einer Runde an Menschen vorgestellt werdet, die ihr zuvor kaum bis gar nicht gekannt habt, doch ihr wisst, dass es wichtig ist, sich hier irgendwie und komme, was wolle einzufügen? Klar kennt ihr das.

Dann kennt ihr auch sicher das Gefühl, wenn ihr schon in den ersten Sekunden den Eindruck habt, dass euch jemand unsympathisch ist. Warum? Kann man nicht genau sagen, es ist das Bauchgefühl. Es liegt vermutlich an der Menschenkenntnis, die man sich über die Zeit aneignet. Doch verdammt, ihr dürft das nicht zeigen, denn ihr habt ja die Größe und steht darüber und wie gesagt, es sind Menschen, denen ihr in Zukunft vielleicht noch häufiger begegnen werdet, da sich die Bekanntenkreise nun einmal überschneiden. Man muss nett sein.

Manchmal möchte ich aber nicht nett sein. Als harmoniebedürftiges Opfer (ist doch schöner, wenn Frieden herrscht) bin ich es im Endeffekt doch, aber ich bin so froh, dass meine Gedanken nicht laut in der Welt herumschwirren und von jedem erhört werden können. Wobei das dann passiert, sobald mir der Wein zu gut schmeckt (anderes Thema).

Als kopflastiger Mensch frage ich mich oft, was es denn genau ist, dass diese unmittelbare Antipathie in mir auslöst. Es passiert auch nicht oft, aber wenn sie dann einmal da ist, bin ich erst einmal tierisch eingefahren und halte an dem Gefühl fest. Doch sind es die Mundwinkel, die nach unten gehen wenn eine Person lacht? Ist es der viel zu penetrante Duft eines Mainstream Parfüms? Ist es die Stimme, die im Verhältnis zur Situation viel zu laut und lächerlich wirkt? Sind es die nervigen Fragen an mich, die ich gewiss nicht beantworten möchte, da sie nicht von Interesse, sondern nur von Neugierde zeugen? Oder ist es der Blick in den Augen?  Verloren hat man übrigens auch dann, wenn man mir gar nicht erst in die Augen schauen kann/möchte. Oder reicht vielleicht schon ein Name, den ich mit etwas negativem verknüpfe (ich habe eine Liste der Anti-Namen, doch die verrate ich nicht)?

Ich glaube es gibt keine pauschale Antwort auf diese Frage. Viel wichtiger ist die Taktik im Umgang mit einer solchen Situation. Für mich bewährt sich immer: Nicken, Lächeln, Arschloch denken. Und ganz wichtig: Lasst sie erzählen. Gebt nichts bzw. nur belangloses von euch Preis. Denn somit lauft ihr nicht der Gefahr auf, dass man euch analysieren kann. Es ist ausserdem sehr sexy und aufregend, wenn jemand ein wenig mysteriös ist. Details bekommen von mir nur Freunde. Keine Bekannten. Schon gar keine flüchtigen Bekanntschaften.

Und ich verrate euch etwas: es ist okay, nicht jeden zu mögen. Das ist immerhin authentisch. Außerdem spielen oft sogar chemische Prozesse dabei eine große Rolle. Es ist jedoch nicht okay, jemandem keine Chance zu gewähren, denn auch nach einem negativen ersten Eindruck ist das Kind noch nicht in den Brunnen gefallen, aber man muss nicht jeden einzelnen Menschen auf diesem Planeten sympathisch finden. Entscheidend ist die Tatsache, wie wir damit umgehen. Ich habe immer krampfhaft versucht in jedem das Gute zu suchen und immer und immer wieder über Dinge hinweggesehen, die  mich eigentlich nicht begeistert haben. Das mache ich nun nicht mehr. Warum auch. Hilft keinem weiter und raubt mir meine Energie. Die brauche ich für die wirklich netten Menschen in meinem Leben.

Aber wenn wir es schaffen einem Menschen das Gefühl zu geben, ihn zumindest akzeptabel zu finden, dann ist das ganz großes Kino unsererseits und spricht für einen starken Charakter, denn wir stehen über den Dingen und sind extrem gute Schauspieler. Nein, wir haben einen Sinn für eine positive Gruppendynamik und stellen unsere persönlichen Abneigungen nicht über den Frieden in der Gruppe.

Was man dann im Stillen denkt oder mit dem Liebsten bespricht, das ist dann eine andere Sache. Doch sollte jemand auch bei näherem Hinschauen immer noch ein negatives Gefühl in euch wecken, dann verschwendet eure Zeit  nicht. Unser schönes Leben ist zu kurz, um Zeit mit Leuten zu verbringen, die euch nicht gut tun. Missgünstige Blicke treffen immer einen wunden Punkt. Egal, wie sehr man sich dagegen abzuschirmen versucht. „Du bist doch stark, das tangiert dich doch nicht!“ bekomme ich dann zu hören. Ist auch so. Meistens. Doch ich will mich dem doch gar nicht aussetzen müssen.

Das ist auch der Grund, warum ich (und ich bin per se ein Mensch, der andere Menschen liebt) Fan eines kleinen Freundeskreises und eines größeren Bekanntenkreises bin. Ansprüche an Bekannte sind nicht so hoch, wie an Freunde und somit wird auf eventuelle Streuverluste nicht so viel Wert gelegt.

Wer auf Anhieb fünf wirklich gute, ehrliche Freunde aufzählen kann, der darf sich freuen. Denn der ist ein reicher Mensch. Meine Großmutter pflegt stets zu sagen: Wähle Deine Freunde mit bedacht mein kleiner Sperling, mach dich rar – mach dich geltend.

Amen.

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Linda

In Bielefeld geboren, in Hong Kong aufgewachsen und nun in Düsseldorf und Zürich zu Hause. Ich singe für mein Leben gerne, schreibe, weil es der Seele gut tut und möchte vom Leben vor allem eines: Glücklich sein.

A wise person once said to me:

"Never let it be said that to dream is a waste of one's time. For dreams are our realities in waiting. In dreams, we plant the seeds of the future."

Keep on dreaming until dreams come true!

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