Ich habe heute leider kein Photo für euch!

Bildschirmfoto 2016-04-09 um 09.30.50

Wer mich ein wenig kennt, der weiß, was für eine enorme Rolle die Musik in meinem Leben spielt. Wenn ich singe, dann geht es mir gut. Wenn ich schreibe, dann drücke ich meine Gefühle und Gedanken aus.

Doch manchmal bin ich auch sehr gerne in der passiven Rolle und gebe mich den Texten fremder Menschen, sogenannter Künstler, hin und lasse sie auf  mich wirken. Ed Sheeran ist für mich einer der größten Künstler des hier und jetzt. Vor allem eine Zeile spielt sich in einer Dauerschleife in meinem Kopf ab: „We keep this love in a photograph, we make these memories for ourselves“. So ein schöner Song, der so viel Wahrheit beinhaltet.

Auf Bildern halten wir den Moment fest, den wir nie mehr vergessen wollen. Intime Momente, gesellige Momente, meistens jedenfalls schöne Momente. Doch sind diese Bilder wirklich nur für uns? Denn wir haben den Moment doch im Kopf und wenn er so signifikant ist, dann werden wir ihn und die dazugehörigen Bilder nie mehr vergessen und können sie immer und immer wieder abrufen. Seien wir ehrlich, wir machen Bilder nicht (oder zumindest nicht nur) für uns selber. Wir wollen andere Menschen daran teilhaben lassen. Oftmals aus dem einfachen Motiv heraus, dass wir so stolz und berührt von dem Motiv sind. Wenn geliebte Menschen den Moment nicht teilen konnten, dann könnten sie so ein wenig daran teilhaben. Meine Oma freut sich immer über neue Bilder, denn sie sagt, dass sie dadurch alles ein Stückweit mit erleben darf. Dazu sind Fotos etwas ganz wunderbares, da sie ihr somit mehr übermitteln, als es meine Erzählung allein könnte.

Doch oft diesen Fotos auch dazu anderen die Nase lang zu machen. Wir zeigen wieviel wir haben. Materiell oder emotional. Ein Stückweit ist es demnach ein Kräftemessen. Aber hey, so ticken wir nunmal. Man vergleicht sich und macht daran seinen eigenen Stellenwert aus. Manche brauchen das eher, manche fast gar nicht.

Ich liebe Photos. Vor allem, da ich so viel erlebe und somit wirklich kein Detail verloren geht. Mein Handy quillt förmlich über und sogar die 128GB Speicher laufen andauernd der Gefahr auf, gänzlich belegt zu sein. 80% der Bilder werden nie von anderen Augen gesehen werden. 10% der Bilder gehen an die Menschen, mit denen ich die Momente erlebt habe, die sie festhalten oder deren Anteilnahme an meinen Entscheidungen und meinem Leben mir enorm wichtig ist. Sozusagen als „sweet little reminder“ oder als Bitte um eine Entscheidungshilfe. 10% davon werden all die Menschen sehen können, die mit mir auf einer sozialen Plattform vernetzt sind, oder Zutritt zu meiner Wohnung erhalten. Hier Hängen Bilder an den Wänden.

Mit dieser Aufteilung bin ich zufrieden. Früher war das anders. 50% nur für mich – 5% nur für die engsten Freunde und Familie – 45% für alle anderen. Vor allem in der Phase, die sich wohl „Erwachsenwerden“ nennt sucht man immer und überall nach Bestätigung. Die überproportionale Bilderflut auf Instagram und Co. soll genau dieses Gefühl erreichen: Viel Zuspruch – Guter Inhalt! Wenig Zuspruch – Nicht gut gemacht. Doch das ist bescheuert. Man darf eines nie vergessen: Deine Freunde, die erleben die Momente meistens mit dir, die brauchen keinen überfüllten Sozialmedia Kanal als Erinnerung daran.  Diejenigen, die dir nichts gönnen (sogenannte „Haters“) würden dir nie ein öffentlichen Zuspruch schenken. Auch und vor allem dann nicht, wenn ihnen gefällt, was sie sehen. Somit ist das Konzept nicht aussagekräftig und sorgt nur für Verunsicherung, wo gar keine herrschen müsste.

80-10-10 – DAS ist meine Quote für mein privates Leben. Ich kann gut verstehen, dass es manchmal so verlockend ist den neuesten schönen Schnappschuss zu teilen. Jahrelang war ich dem ganzen verfallen. Irgendwann habe ich erkannt, dass ich niemandem beweisen muss, wie glücklich ich gerade bin. Niemand muss mir bestätigen, dass ich tolle Dinge erlebe oder eben nicht. Niemand muss wissen, wo ich gerade bin. Solange ich das alles weiß und fühle, ist alles genau richtig, so wie es ist.

Ich liebe das neue Foto von meinem Schatz und mir, das meine Mama an meinem Geburtstag geschossen hat. Doch es ist meins. Und seins. Unseres. Das reicht. Denn es geht nur uns beide etwas an. Ganz egoistisch gesagt: ich finde, dass nicht jeder ein Stück von unserem Glück abhaben muss, denn wenn jeder ein Häppchen nimmt, ist es viel zu schnell verbraucht. Darum wünsche ich jedem sein individuelles Glück, dieses hier gehört uns ganz allein.

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Linda

In Bielefeld geboren, in Hong Kong aufgewachsen und nun in Düsseldorf und Zürich zu Hause. Ich singe für mein Leben gerne, schreibe, weil es der Seele gut tut und möchte vom Leben vor allem eines: Glücklich sein.

A wise person once said to me:

"Never let it be said that to dream is a waste of one's time. For dreams are our realities in waiting. In dreams, we plant the seeds of the future."

Keep on dreaming until dreams come true!

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