Beruf, Berufung und die Leidenschaft

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„… Und Linda, ich weiß nicht, wie ich das beschreiben soll. Sobald ich dann die eine Zutat gefunden habe, dir mir ein Funkeln in die Augen zaubert, weiß ich genau was ich tun muss. Dann ist es alles Intuitiv. Es ergibt sich einfach. Doch es wird nie mehr ein zweites Mal genau so schmecken…“. Emilio ist nicht nur ein unglaublich liebenswerter Mensch, sondern auch der wohl genialste Koch, den ich je habe erleben dürfen. 

In seinem coolen Gewölbe-Restaurant im Herzen Palmas verwöhnt er seine Gäste Abend für Abend für Abend. Nur Sonntags nicht. Morgens ist er der erste auf dem Markt und nachts der letzte, der das Lokal verlässt. Mein Dad fragte mich heute „Wie macht der das nur? Der ist so fleißig, arbeitet jeden Tag und…“ – Stopp. Er empfindet es nicht als Arbeit, denn es ist eine Leidenschaft. Eine Passion. Eine Gabe. Eine Kunst. Emilio ist voll und ganz in seinem Element, sobald er sein Messerset und eine Auswahl an fein erlesenen Zutaten vor sich auf dem Küchenblock positioniert.

emilio

Mit einer Seelenruhe bereitet er Sashimi-Platten vor, die alleine schon deshalb so genial schmecken, da eine besondere Schnitttechnik wahre Wunder bewirkt. Ich könnte stundenlang dabei zusehen. Es hat eine meditative Wirkung auf mich. Und dazu könnte ich stundenlang zuhören, wie er über seine Kreationen spricht. Meine Speicheldrüsen werden sofort a la Pavlov aktiviert und vor meinem inneren Auge setzen sich Stück für Stück Gerichte zusammen, die ich in meinen Träumen so nie kombiniert hätte. Doch sie machen einfach so viel Sinn, wenn er erklärt, warum sie funktionieren.

Ceviche

Emilio ist für mich ein Vorbild. Warum? Weil er es geschafft hat, das, was ihn am meisten Freude bereitet, zu seinem Beruf zu machen. So wird aus dem Beruf eine Berufung.

Vor einiger Zeit habe ich ihn gefragt, warum er sämtliche Angebote, sein Konzept zu erweitern und mehr Lokale in anderen Metropolen dieser Welt zu eröffnen, immer wieder ausgeschlagen hat. Seine Antwort ist simpel: „Linda, ich bin Künstler. Kein Künstler würde einen anderen bitten, seine Leinwände zu bemalen. Ich kann nur an einem Ort pro Abend sein. Jedes andere Lokal wäre nicht das Wahre, denn mehr als meinen Namen, könnte ich den Gästen nicht geben. Hier verlässt nichts meine Küche, was ich nicht zuvor selbst in der Hand hatte. Ich bin glücklich so.“ Grandios. 

Seien wir ehrlich, jeder greift doch nach dem nächst höheren (oder evtl. sogar viel höheren) Ziel. Einige von uns werden in ihrem Leben nie wirklich zufrieden sein. Vielleicht, weil die Messlatte zu hoch ist. Vielleicht, weil man das falsche für sich tut. Vielleicht, weil man gar nicht weiß, was man wirklich tun möchte. Das ist traurig, denn es hinterlässt immer ein Stückweit ein Gefühl von Versagen. Materiell gedacht: Vielleicht ist es ja eine Option, Beruf und Berufung zu trennen, wenn man mit der Berufung allein nicht das Geld verdienen könnte, was man aber braucht um ein gesichertes Leben zu führen. Keine Ahnung, in wieweit das umsetzbar ist. Ich weiß zum Beispiel, dass ich immer singen werde, egal ob es mein Beruf sein wird oder nicht. Es macht mich glücklich und ich kann gar nicht anders. Jeder von uns hat etwas, wofür sein Herz höher schlägt. Manch einer muss nur noch herausfinden, was es genau ist.

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Linda

In Bielefeld geboren, in Hong Kong aufgewachsen und nun in Düsseldorf und Zürich zu Hause. Ich singe für mein Leben gerne, schreibe, weil es der Seele gut tut und möchte vom Leben vor allem eines: Glücklich sein.

A wise person once said to me:

"Never let it be said that to dream is a waste of one's time. For dreams are our realities in waiting. In dreams, we plant the seeds of the future."

Keep on dreaming until dreams come true!

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