Vermissen ist nicht schön, aber menschlich!

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Es ist Dienstagmorgen und hier, wo ich gerade sitzen darf, scheint die Sonne. Falsch, sie strahlt und prahlt förmlich damit, wie satt und wohltuend sie am Himmel hängt und den Menschen hier ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Doch der Sonne, der werde ich mich gleich erst zuwenden.

Gerade bin ich in Gedanken versunken. Ich will euch nicht die Nase lang machen, doch am Meer, da geht es einem schon ziemlich viel besser, als irgendwo in einem Stadtcafé. Doch immer dann, wenn ich in die unendlich blauen Weiten des Ozeans schauen kann, meldet sich mein Kopf zu Wort.

Hier habe ich Zeit, zu reflektieren und zu sinnieren. Doch vor allem habe ich hier Zeit, um herauszufinden, was mir in den letzten, sehr schnelllebigen Wochen und Monaten besonders gut oder schlecht getan hat. Warum das gerade hier so gut funktioniert? Der Alltag findet hier nicht statt. Zu Hause ist es der Alltag, der mich auf Trab hält und meine Gehirnkapazitäten für sich beansprucht. Hier ist das anders, denn hier gibt es diesen immer wiederkehrenden Ablauf nicht. Hier steht man auf, wenn die Augen aufgehen und geht ins Bett, wenn sie zufallen. Man isst, wenn man Hunger oder einfach Lust dazu hat und nicht dann, wenn es ein dafür vorgesehenes Zeitfenster suggeriert.

Aber zurück zum Thema „Gedanken“. Die habe ich mir gemacht und dabei für mich entschieden- sorry für die Wortwahl – vermissen ist beschissen.

Wenn man etwas vermisst, oder noch schlimmer, wenn man jemanden vermisst, dann kann sich sogar ein Tag, der ansonsten jedes Kriterium zum „Day of the year“ erfüllt, furchtbar und quälend in die Länge ziehen. Es gibt Menschen, die sind wunderbar versorgt, wenn sie mit sich selbst die Welt bestreiten. Doch dann gibt es die Sorte an Mensch, die sein Leben am liebsten mit den Menschen teilt, die ihm besonders am Herzen liegen. Doch das soll kein trauriger Artikel sein. Ja, ich vermisse gerade doch dadurch ziehe ich auch eine Erkenntnis: das was man am meisten vermisst, das ist am wichtigsten im Leben. Oder anders: die Personen, die einem dann fehlen, wenn es einem gerade ansonsten durch und durch gut geht, die sind es, die einen festen Platz im Herzen haben.

Doch was tut man nun, wenn man sich von dem Vermissen befreien möchte? Man könnte zum Beispiel „Sex And The City 2“ schauen. Dort gibt es eine Szene, in der ein Bediensteter in Abu Dhabi erklärt, dass es nicht relevant sei, dass er seine Frau in Indien nur ein Mal in drei Monaten sehen kann, oder jeden Tag neben ihr aufwachen kann – die Liebe übersteht das und wenn sie sich sehen, dann ist es wie am ersten Tag. Awwww….

Für immer ist das keine Lösung des Problems, doch es ist für den Moment oder auch für eine Phase des Lebens eine sehr gesunde Einstellung für Herzensangelegenheiten, die auch über Entfernungen hinweg bestehen sollen. Stellt euch das vor, wie die kindliche Vorfreude auf Weihnachten. Sobald der Dezember anbricht und man die ersten Türchen im Adventskalender öffnen darf, wird die Freude auf Heiligabend von Tag zu Tag mehr und aus dem Vermissen wird ein sich stetig steigerndes Glücksgefühl. Dafür haben wir Menschen doch die Gabe der Phantasie geschenkt bekommen. Wir können uns vorstellen, wie schön das Wiedersehen sein wird. Wir haben den Duft in der Nase, der von dem Parfüm dieser einen Person ausgeht, die wir so vermissen. Wir haben den Blick vor Augen, dem wir bald wieder begegnen dürfen. Haben den Klang der Stimme im Ohr, die wir bald wieder hören dürfen.

Mir hilft es, sich an so scheinbare Kleinigkeiten zu erinnern, um mir ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Gegen die Abwesenheit kann ich gerade nichts machen. Doch meine Einstellung dazu, die kann ich beeinflussen. Natürlich ist es schöner, wenn man gerade nichts und niemanden vermissen muss. Doch das gehört nunmal zum Leben dazu.

Bevor die Sonne mich nun zu vermissen beginnt, folge ich ihrem Aufruf, mich nun endlich von beiden Seiten ein wenig bräunen zu lassen. Mit Musik auf den Ohren und dem Datum des Wiedersehens im Kopf, lege ich mich nun mit einem zarten Lächeln auf den Lippen auf die Terrasse. Ich vermisse, doch ich bin glücklich.

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Linda

In Bielefeld geboren, in Hong Kong aufgewachsen und nun in Düsseldorf und Zürich zu Hause. Ich singe für mein Leben gerne, schreibe, weil es der Seele gut tut und möchte vom Leben vor allem eines: Glücklich sein.

A wise person once said to me:

"Never let it be said that to dream is a waste of one's time. For dreams are our realities in waiting. In dreams, we plant the seeds of the future."

Keep on dreaming until dreams come true!

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